Tatütatü: Meine hauseigene Alarm-Anlage!!!

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Es ist schon interessant, wie ich mein Bauchgefühl erlebe. Ist es gut, passieren die Entscheidungen butterweich: Ich finde etwas interessant, schön, anständig,  mein Bauch protestiert nicht, ich handle – und dann wird alles gut. Und dann gibt es diese Situationen, in denen das Bauchgefühl mahnt: aaanhalten, aussteigen bei der allernächsten Haltestelle!  Leider habe ich das Talent, mir immer wieder etwas schönzureden, wenn längst ein Bauchgefühl-Riesenfinger auf die Fakten hinweist, die überhaupt nicht koscher sind: Meine hauseigene Alarmanlage geht an. Tatütatü!!

Zum Beispiel bin ich jetzt ja seit einigen Wochen eine Frau ohne Hund. Und, so habe ich erkannt, das passt momentan ganz gut zu mir. Ich muss mich erholen von den beschwerlichen letzten Altersjahren meiner Hündin, die auch für mich sehr, sehr anstrengend waren. Und ich bin viel ungebundener. Ich muss nicht mehr nach Hause rennen.  Es gibt auch weniger zu putzen, ja, das empfinde ich als angenehme Surprise des hundelosen Lebens. Ausserdem kann ich ungestörter überall hingehen, die Leute mit Hund, die einem unbedingt etwas über ihre Fifis mitteilen wollten, was man dann mit eigenen Hundestories kontern musste, sind aus meinem Radar gefallen. Das ist ein Plus im Minus.

Trotzdem, die Trauer ist noch da, hie und da heftig. So denke ich halt öfters über ein Leben mit einem neuen Hund nach. Wann wäre ich bereit dafür? Bald oder erst irgendwann? Garantiert gesund und freundlich sollte er sein, so dass er sich leicht erziehen lässt, um mein Leben während Jahren zu bereichern. Also muss es einer sein, der aus liebevoller, seriöser Aufzucht kommt. Bloss sind ja solche Hunde nicht readymade, wenn ich beschliesse: Ja, jetzt will ich wieder. Und Hunde mit Stammbaum sind teuer. Wer erklärt, dass der Anschaffungspreis eher unbedeutend sei, weil ja die Folgekosten erst richtig einschenken, weiss vielleicht nicht, dass ein Rassehundwelpe, ich mag Labrador und Golden Retriever, in der Schweiz runde 2500 kosten. Das ist viel Geld, das muss man erst mal hinblättern können.

Also hatte ich vorgestern die Eingebung, doch mal auf jenen Bauernhof zu fahren, der Retriever-Welpen inseriert hatte. Perfekterweise gar nicht weit von Zürich. Ich mache es kurz, die Hündli waren herzig, alle Welpen sind herzig, aber nichts stimmte. Nicht unbedingt, weil es papierlose Welpen waren. Es war alles nicht so, wie ich es machen würde, wenn meine Hündin Welpen hätte. Ich würde es ihr und denen gemütlich, warm, sauber und kurzweilig machen, weil diese Welpen ja gute, glückliche  Haushunde werden sollen. Sowas benötigt sicherlich einigen Aufwand, was man ja gerne bezahlen würde. Jedenfalls ich. Als ich nach Hause kam, roch ich mistig nach kaltem Kuhstall, in dem die  Welpen gelagert waren, und so warf ich eilig all meine Kleider noch spätabends in die Waschmaschine. Die Sache stank.

Der Bauchgefühl-Riesenfinger stupste mich bereits mit aller Macht und schob mich in die Abteilung: Ja nöd – ABSAGE! Es war ja alles falsch, roch nach Mitleidkauf, und doch redete ich es mir noch zwei Tage lang möglichst schön. Bis ich mir, ich kam grad retour von einem langen Stadtspaziergang, bei dem ich alle Zeit der Welt hatte, pro (nix) und contra (alles) zu überlegen, schliesslich eingestehen musste: SO will ich das nicht. Ich bin ehrlicherweise nicht so sicher, ob es nicht auch eine Rolle spielte, dass ich meine neue Freiheit nicht gleich wieder aufgeben will. Ich denke schon, sagt grad mein Bauchgefühl. Ganz wichtig war für mich jedoch die Erkenntnis, dass ich meine Standards und Ansprüche nicht senken darf oder muss. Nur SO wie ich es mir wünsche, passt es schliesslich auch für mich. Und dann wird  alles richtig und gut. Für alle. Und damit wären wir wieder beim guten Bauchgefühl.

www.vollreif.ch – die Verlagsseite für das gute Lesegefühl…

Mein (neues) Leben ohne Hund

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Seit fast vier Wochen bin ich ohne Hund. Nach dreizehn Jahren, in denen sie, ich nannte sie gerne meine „Assistentin“,  immer an meiner Seite war. Eigentlich fast unglaublich. Keine meiner Liebesbeziehungen dauerten so lange. Meist war ich bei denen viel zu rasch Feuer und Flamme, dann kühlte sich die Begeisterung ab. Was ich allerdings nicht sehen wollte. Und dann blieb man halt zusammen. Leider. Bei meiner Hündin war es anders, in den ersten Wochen stand ich unter Schock, hilfe, die bleibt jetzt hier bei mir, und ich muss sie lieben. Erst als jemand mir vorschlug, mir vorzustellen, sie sei bloss für die Ferien hier, war ich beruhigt. Und dann kam die Liebe zu diesem pelzigen Wesen, und sie blieb fast dreizehn Jahre bestehen. Einmal reiste ich nach Amerika, sie blieb bei einem Jetzt-Ex, einmal war sie zwei Tage im Tierspital. Prompt konnte ich nicht schlafen, ich war so gewohnt, dass sie neben dem Bett lag.

Beinahe zwei Jahre lang, in denen ich bereits sah, wie sie gebrechlicher wurde, zerbrach ich mir den Kopf, wie ich es schaffen sollte, sie einzuschläfern. Es waren ganz praktische Dinge. Als es dann so weit war, handelte ich generalstabsmässig. Ich bereitete ihr einen letzten, schönen Tag, an dem ich, ich gestehe es, schon fast alle ihre Besitztümer diskret wegräumte. Ich wollte sie nicht vor Augen haben, wenn ich alleine aus der Tierarztpraxis heimkehrte. Ich weiss gar nicht mehr, wie ich diesen Tag schaffte, heute denke ich, dass meine Lebenserfahrung mir half. Es gibt einfach Dinge, bei denen muss man sich zusammenreissen, weil man es anderen schuldig ist. Ja, auch einem Haustier.

Was ich auch vorher schon tat: Ich ging alleine spazieren, um zu testen, wie ich mich fühlen würde. Und oh Wunder, als es dann so weit war, dass ich wirklich alleine unterwegs sein musste, ohne Hund an meiner Seite, da gefiel mir das nach einigen schmerzlichen Momenten (hier auf dieser Wiese, dort auf diesem Weg, da waren wir gemeinsam unterwegs) sogar sehr gut. Ich kann nun ganz spontan in einen Laden, in eine Kunstgalerie, auf verkehrsumtosten Routen mitten durch die Stadt gehen, mal zügig, mal gemütlich. So wie mein Vater, der ein passionierter Stadtgänger war, allerdings lieh er sich dazu gerne meinen damaligen Hund, einen richtigen Raufbold aus, der sich dann lammfromm benahm. Auch weil mein Vater immer einen Spazierstock mitnahm, der Timmy Respekt einflösste.

Was erst seltsam war? Wenn ich nach Hause kam, dann kein Hund hinter der Türe wartete. Doch auch das hat sich gelegt. Ich bin selber erstaunt, wie gut ich den Verlust meiner felligen Freundin verkraftet habe. Wobei, ich glaube, sie möchte das so. Am ersten Tag, nachdem sie gestorben war, sah ich einen Eisvogel an der Sihl, ein paar Tage später eine grasgrüne Grille auf dem Esstisch sitzen, und dann vorgestern baute sich am Himmel aus mächtigen Wolken ein Hund auf, okay, er sah eher aus wie Struppi aus dem Comic. Aber für mich sind es Zeichen, hey, Scheffin mach weiter im Leben, und wenn du eine Nachfolgerin haben möchtest, ich habe nix dagegen. – Übrigens, hier spricht wieder Ihre Frau Vollreif, ich glaube nicht an Regenbogenbrücken und jenseits, wo man dann seine Haustiere wieder trifft, denn auf einige bin ich nicht grad erpicht, ich denke, nach dem Tod ist man einfach weg. Na ja, hie und da gibt man vielleicht ein Zeichen, das eine muss ja das andere nicht ausschliessen, oder?

Foto: Ich habe extra ein sehr symbolträchtiges Foto präsentiert, das muss Sie nicht schrecken, denn diese Bank am Bodensee zeigt wundervolle Aussichten auf den See!

www.vollreif.ch zeigt Bücher und Fotos by & bei Marianne Weissberg, schauen Sie rein…

Kellerfluchten und Kellerlieben!

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Ich bin überhaupt kein Sommermensch. In der Hitze kann man sich höchstens die Kleider vom Leib reissen und hilflos hecheln. Im Winter jedoch kann man sich gegen die Kälte erfolgreich wehren, mit Lagen über Lagen, die man über dem Körper mehr oder weniger modisch drapiert. Und so übersteht man die Wintermonate. Der Herbst könnte ewig dauern, denn er passt wunderbar zu meiner Vollreife. Die herbstliche Sonne scheint, aber sie quält nicht mehr. Sie liebkost die Glieder. Endlich die Sommerfetzen beiseite räumen, und wenn es dann kühler wird, die Herbstnebel wallen, es morgens nach Herbst riecht, dann räumen einige die Sommerklamotten in den Keller. Wenn es denn dort noch Platz hat. Bei mir auf jeden Fall, denn ich habe meine Liebe zu meinem grossen, hellen, ordentlich belüfteten Keller entdeckt. Das kam so: An den verdammt heissen und verhassten Sommertagen steige ich fast täglich in meinen Keller hinab. Mitsamt meiner hechelnden Hunde-Lady. Längst haben wir es uns da sehr gemütlich eingerichtet. Erst eher zufällig, weil ich da ja auch einige Möbelstücke deponiert hatte. Schöne, so wie mein Eames Lounge Chair, den ich mal angeschafft habe, als ich noch weitläufiger wohnte. Jetzt wirkt er viel zu wuchtig, nicht aber in meinem Kellerabteil. Da sieht er richtig toll und mondän aus. Dann rollte ich einen der gelagerten Teppiche aus. Passte sehr gut zum Chair. Das nächste Mal nahm ich meine Lesebrille mit und packte einen Stapel Memoiren-Manuskripte aus, fing an, zu lesen. Ich wusste gar nicht, dass ich mein Leben so spannend beschreiben kann.

Längst ist die grosse Sommerhitze gestorben, meine Hundedame kürzlich auch. So endeten meine Kellerfluchten, doch wenn mein Grossneffe da ist, liebt er es, noch schnell einen Abstecher mit mir in den Keller zu machen, um zu sehen, ob noch alles da ist. Auch sein feuerrotes Feuerwehrauto, das er dann prompt hinaufschleppte. Ich glaube, so ein Keller spiegelt das wahre Leben seiner Menschen. Wird alles, was man nicht sehen will, dorthin entsorgt und breitet sich dann, wie man hofft, ungesehen, dort unten das Chaos aus, sollte man auch im Oberstübchen aufräumen. So gesehen ist mein Leben ganz in Ordnung. Dank meiner (etwas obsessiven?) Kellerliebe. Auch wenn nun ein liebes Gewohnheitstier schmerzlich fehlt. Doch ich bin erstaunt, wie gut ich mich in ein Leben ohne Hund eingewöhnt habe. Im Keller liegt nun das Kuhfell, auf dem sie so gerne schlief, ein fast neues Schaffell, das noch ein wenig nach ihr duftet. Im Keller sind sie gut aufgehoben. Wer weiss, ob meine Hündin je eine Nachfolgerin haben wird? Die dann an heissen Sommertagen kleine Kellerfluchten mit mir unternimmt – und der Kellerkreislauf wieder beginnt…

www.vollreif.ch – mit Bildern meiner verstorbenen, vierbeinigen Verlagsassistentin und den Büchern, in denen sie eine Rolle spielt.

 

Mein Mexit oder Abwarten und Tee trinken?

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Was momentan in Grossbritannien passiert, erinnert mich sehr an Trennungen, so wie sie unsereins im Laufe des Lebens passieren. Diesmal sind Nationen erschüttert. Und wie bei persönlichen Trennungen sind die Parteien überaus menschlich und haben für mich Wiedererkennungseffekte. Beispiel David Cameron. Der zündelte herum, dachte in seinem Grössen/Liebeswahn, soll das Volk mir doch Tribut zollen und unisono erklären: Wir bleiben bei dir und damit auch in der EU. Als er dann in seiner Erklärungsrede zum (ups, hat nicht geklappt)Brexit erklärte, die Nation brauche nun einen Captain, aber leider, leider stehe er dafür nicht mehr zur Verfügung, dachte ich: was für ein aufgeblasener Schmock. Erinnert mich an jenen Captain des italienischen Kreuzfahrtschiffes, der sich als Erster von Bord machte, nachdem er das Schiff mutwillig in Gefahr gebracht, dann sinken liess.

Wie bei einer Trennung kamen gleich nach dem Brexit kalte Füsse auf. Huch, was haben wir gemacht, schwante es vielen. Jedenfalls denen, die keine tumben Fremdenhasser sind. Als ich übrigens hörte, dass die Jungen nun lauthals klagen, jedoch offensichtlich nur ganz minimal abstimmten. (Ferien, Facebook, dies und das, etc.etc.), während die üSechzigjährigen an die Urnen eilten, um pro oder contra zu stimmen, war ich erst düpiert, doch auch das ist menschlich. Man merkt oft erst im Nachhinein, was man besser hätte machen müssen. Oder überhaupt hätte machen müssen.

Ich glaube, wir müssen die Trennung lieber nochmals gaaanz lange überdenken, lässt aktuell das UK verlauten. Die Gegenpartei war natürlich gekränkt, dass man sie sitzen lassen wollte, die einen in der (EU)-Familie drängen auf sofortigen Rausschmiss. Was jedoch, wie ich finde, gottlob nicht geht, denn so eine nationale Abstimmung ist ja kein offizieller EU-Scheidungsantrag – vielleicht könnte man nochmals eine Abstimmungsrunde einläuten, mal bei Nachbars oder gar bei Mama Rat holen und überhaupt… Auch das kenne ich, dass man also bei Trennungen verzweifelt überlegt, wie man Gesagtes zurücknehmen, wer was dazu meint, dann alles nochmals nagelneu und natürlich viiiel besser aufgleisen möchte. Was meist nicht funktioniert, glauben Sie mir!

Mir tun eigentlich alle Brexit-Beteiligten leid. Sogar die Queen, die ja erst noch in mint und pink ihr Jubeljahr feierte und nun das: der Birtdaycake Grossbritannien präsentiert sich als Schlachtfeld. Ganze Stücke wie Schottland, Wales und Nordirland werden womöglich bald fehlen. Mir kam auch schon der Gedanke, dass Regina Elisabeth als Premierministerin kandidieren sollte, ich meine, wo findet man heutzutage noch solch Beständigkeit? Erinnert sich noch jemand an die Zeit nach Dianas Tod, als die Königin als ungeschickte, fiese Schwiegermutter verteufelt wurde. Ich fand übrigens Diana ziemlich dümmlich, und, man verzeihe mir, William und Kate schlagen ihr nach. Aber wer weiss, vielleicht irre ich mich…

Es ist ja alles jeden Tag anders: Terror in Flughäfen, doch nur Stunden danach checken die Leute wieder ein, als ob nichts gewesen wäre, eine Fussball-EM, die niemanden gross interessiert, mich schon gar nicht. Wimbledon ist auch im Gange. Das finde ich skuril, die Welt wankt, aber Wimbledon nicht. Abwarten und erst mal ein paar Bälle schlagen, ein Tässchen Tee trinken, denkt man sich auf der Insel womöglich. Why not?

Auch bei mir wankte einiges. Es gab kürzlich einen Mexit, M steht für Marianne. Habe ich es eigentlich schon mal erwähnt, sicher, dass Bündnisse, Beziehungen, ob im Job oder privat, sich erst dann als wirklich tragfähig erweisen, wenn Konflikte angesprochen und geklärt werden können. Wenn beide das auch wollen, weil die Freundschaft wichtig und wertvoll war. Dazu muss man eben das Hinterteil heben, sowas geht nicht mit ein wenig Wischiwaschi. Und wenn nur Letzteres ausgesprochen wird, mit Anklagen garniert, dann passiert der Fexit. Und man entsorgt falsche Verträge & Freundschaften besser im Klo, siehe Foto. Wir werden sehen, ob der Brexit, Mexit, Schmexit nur Schmerzen oder auch eine Brise Erleichterung mit sich bringt. Wie auch immer. Und vielleicht wird alles auch wieder ganz anders….

www.vollreif.ch – verkauft Bücher, in denen es nur so von aufregenden Trennungen wimmelt.

Männer, die Hunde mögen!

Ryan Gosling Visits "Late Night With Jimmy Fallon"  - July 20, 2011

Nach dem letzten Post  über Männer, die Hunde nicht mögen, aber auch solche, die so tun als ob, doch unbarmherzig von Frauen und nicht zuletzt – von Hunden – durchschaut werden, nun über Männer, die Hunde mögen. Und deshalb bei Frauen sehr gut ankommen. Lustigerweise sprangen mir nach dieser Schreibe gleich zwei Artikel über Schauspieler, beide berühmt, der eine schon lange mein Schwarm (seit „The French Lieutenant’s Woman“), ins Auge. Jetzt seufzen Sie sicher: Oooh jaa Jeremy Irons!, der andere ist eher ein sog. Star (seit „Driver“), noch ein wenig grün hinter den Ohren.  Leider kann da George Clooney nicht mithalten, weder er, noch seine Trophy Frau, die dünne ähem Almighty, Almudschedin??, egal, halten Hunde. Clooney wollte ja lange bei den Frauen mit seinem Hausschwein punkten, doch das zog bei mir nicht. Ich fand Clooney schon immer ein Fake, in „Up in the Air“ spielte er den unsteten Entlasser, der schliesslich von einer ähnlich gelagerten Frau reingelegt wird. Ich sagte mir: Tschortsch, diese Rolle steht dir, doch die des Hetero-Ehemannes garantiert nicht. Oute dich doch mal, auch ein Schönling darf ruhig offen schwul sein. Auch ohne Mops & Co.

Anyway, ich komme nun zurück auf Jeremy Irons und Ryan Gosling, der m.E. ein bisschen weniger Gewaltfilme und so mehr Mimik zeigen darf. Beide Männer haben Hunde, hängen sehr an ihnen, derjenige von Ryan heisst George, ein Mischling, Jeremy hat einen Boston Terrier. Mit ihm fährt er, den Hund im Rucksack, Töff, Ryans George ist Stammgast am Set. Da er seinen 15-jährigen Hund als „Liebe seines Lebens bezeichnet“, muss die schöne Gattin Eva Mendes mit allem rechnen. Okay, man soll nicht alles glauben, was die Promipresse (oder ich hier) schwafelt, doch die Bilder von Ryan, der George während eines Drehs liebevoll mit Wasser versorgt, ihn auch an Talkshows mitnimmt, sehen sehr real aus.  Oder Jeremy, der in einem Brigitte Woman Interview (Juniausgabe 2016, lesen Sie das mehrseitige, gute Interview in Print) erzählt, dass er als Endsechziger realisiert habe, dass sein Hund und er Seelengefährten sind, sich ohne Worte verstehen, sich gegenseitig trösten können, wenn die Zeiten schwer sind. Was ist eigentlich mit Männern, die Katzen mögen? Also, da habe ich eher komische Erfahrungen gemacht, doch das wäre ein ganz neues Thema…

Foto: aus Talkmaster Jimmy Fallon’s Tonight Show: Ryan & George, leicht lädiert

www.vollreif.ch hat wie schon erwähnt auch Bücher, in denen Frauen, Männer, Hunde (und Katzen) eine tragende Rolle spielen

Männer, die Hunde nicht mögen!

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Einsichten oder Ansichten fallen mir, wie Sie sicher schon wissen, in ganz alltäglichen Situationen zu. Man ist sich ihrer nicht bewusst, bis man plötzlich innehält und sich sagt: Ja, so ist das! Zum Beispiel wie Männer sind, die Hunde nicht mögen: Meist Kotzbrocken und/oder aggressive Kerle. Beispiel: Vorhin trocknete ich meine Haushündin vor der Wohnungstüre mit einem Riesenhandtuch. Bei diesem Riesenregenwetter ist ein gewieftes Rubbelmanagment immens wichtig, vorallem bei einem Goldenretriever, also bei einem älteren Modell, so wie Madame Irettli, das gemütlich im Trockenen schlummern soll, nach dem Spaziergang.

Item, jedenfalls kam dann jener Nachbar ins Entree, mein Hund begrüsste ihn wedelnd, er machte ein angewidertes Gesicht, blähte sich auf, schob sich vor, à la was will die Töle da von mir, und eilte miesepetrig in den Lift. Ich murmelte: Kotzbrocken. Ich fand, das passte zu ihm und seinem allgemeinen Benehmen, auch Menschen gegenüber. Frauen, die Hunde nicht mögen, sind eher selten. Und wenn, weichen sie ihnen einfach aus, ohne sich dabei wichtig zu machen. Männer, die Hunde nicht mögen, blasen sich auf, sie blaffen: Tun Sie den Hund weg!!!, sie packen ihn am Halsband, wie jener Nachbar um vier Ecken, bei dem Irettli angelockt durch den Duft vom Grill, das heilige Wohnzimmer betrat. Der schleifte sie raus, ich wollte mich grad entschuldigen, sie rausgeleiten, doch dieser Mann, der Hunde nicht mag, musste allen zeigen, dass er der Herr im Hause war. Ich dachte, so ein Arschloch – und garantiert schlecht im Bett.

Männer, die Hunde nicht mögen, haben nämlich so etwas Unmännliches, finde ich. Sie sind so was von unsexy. Klar, sie haben oft schlicht Angst vor Hunden. Wie jener Monteur kürzlich, ein grosses, muskulöses Mannsbild, der sich bibbernd herumdrückte, weil das sanfte Irettli ebenfalls zuhören wollte, was er mir über das Problem mit der Heizung erklären sollte. Ich sagte: Sie tut nichts, sie sitzt ja ganz brav neben mir. Immerhin war er nicht die Spezies, die angewidert wegschiebt, so wie zwei meiner ehemaligen Scheffs. Die sich natürlich in allen weiteren Belangen als feige, knausrige Kotzbrocken zeigten.

Moment, was ist mit jenem Mann, für den ich lange schwärmte, und der, wie er sagte, Hunde soo liebe? Er hätte ja so gerne einen Hund, wenn er bloss Zeit für all das Drumherum hätte. Es war so einer, der nicht wusste, was wichtig ist. Zum Beispiel gut lieben und essen, drum war er auch seit Jahren (heimlich) magersüchtig. Ein Kotzbrocken, der Hunde  überhaupt nicht mochte, weil Hunde eben etwas unberechenbar Naturhaftes haben/zeigen, was Männer, die keine Eier haben, für gar nichts, nicht mögen. Sie haben Angst davor, dass ihr kleines, pedantisches Machtgefüge durcheinander kommt. Dass es mal wild, mal schmutzig, fröhlich zugeht.

Meine Hündin hat diesen Mann, der Hunde angeblich mag, gleich durchschaut, sie sah ihn trotz Lobhudelei gelangweilt an, drehte ab, zeigte ihm das Hinterteil und verschwand im anderen Zimmer. Wie gesagt, wir mögen keine Männer, die Hunde nicht mögen.

Foto: Aus dem Film „Frau mit Hund sucht Mann mit Herz“ mit der wunderbaren Diane Lane. Auch hier spielt ein Fiesling, der so tut, als ob er Hunde mag, ein Rolle. Doch schlussendlich muss er Leine ziehen.

http://www.vollreif.ch hat schöne Bücher, in denen  (auch) Hunde eine wichtige Rolle spielen…

Was ich von einem Frosch über Freundschaft lernte!

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Neulich traf ich eine Bekannte zum „Exakt-Eine-Stunde“-Kafitreff. Ich glaube, ich habs schon mal erzählt: Meine „Dates“ dauern jeweils eine Stunde. So lange mag ich mehr oder weniger gerne zuhören, danach freue ich mich wieder auf meine eigene Gesellschaft. Ja, ihr Lieben, ich habs endlich entdeckt: Ich bin gerne mit mir zusammen, geniesse meine eigene Gesellschaft, und bevor ich die mit jemandem teile, muss ich sicher sein, dass es nicht vergeudete (Lebens)Zeit ist. Wobei, ich war schon immer eher unfreiwillig gesellig, als ich Journalistin war und in der Welt herumreiste, viele Berühmtheiten interviewte. Oder, in den Jahren, in denen ich ganz gerne für ganz viele Gäste kochte. Das ist vorbei, gottseidank. Die Erfahrungen und Erkenntnisse, die ich mit sovielen Menschen sammeln konnte, möchte ich jedoch nicht missen, sie machen mich aus.

In jüngster Zeit ist jedoch mein Umfeld ganz schön geschrumpft. Ich verlor die Lust, Dinge zu tolerieren, die mich seit Jahren gestört hatten, oder Konflikte auszubügeln. Pflästerli auf Wunden, seelische, zu kleben.  An einem Morgen als ich grad mein Duvet ausschüttelte, oder vielleicht war es auch bei einem Spaziergang mit Hund oder beim Einräumen des Geschirrspülers, kam mir jenes Experiment in den Sinn, bei dem man einen Frosch ins kalte Wasser setzte, das ganz langsam erwärmte, bis der Frosch sozusagen Frosch blau, also gekocht und tot war. Er hatte gar nie versucht, rauszuhüpfen, weil er sich gaaaanz langsam an die eklig steigende Temperatur gewöhnt hatte. Genau so habe ich einige „Freundschaften“ oder auch geschäftliche Beziehungen geführt.

Die Warnlämpli: Achtung, du wirst abgekocht!, gingen nämlich sehr schnell an, doch ich blieb sitzen und liess mich über Jahre hinweg mürbekochen. Zermürbte mir passend das Gehirn, was ich noch tun könnte, um aus so einem Schlamassel eine tragfähige Beziehung zu machen. Wenn ich heute zurückblicke, kann ich gar nicht verstehen, wieso ich nicht früher reagierte und nach dem ersten, meinetwegen zweiten Aufkochen und Abkochen nicht ausstieg. Aber wenn man so harmoniesüchtig ist wie ich, also gut man kanns auch konfliktscheu nennen, dann denkt man: Ach, diese Temperatur halte ich schon noch aus. Ich bin ja auch bei Anderen oft erstaunt, was sie sich alles gefallen lassen und schönreden. Ganz ehrlich, so blöd bin ich gottlob nicht mehr. Das macht die Vollreife. Klar denke ich an ein, zwei Beziehungen, die ich gerade kürzlich kippte, mit einer Prise Wehmut zurück. Es gab ja auch gute Momente, aber heute sehe ich eine Freundschaft/Beziehung wie ein Menu. Entweder ist es geniessbar – oder nicht. Und wenn Letzteres, geht’s ohne grosse Erklärung zurück in die Küche. Und man sucht sich mit Freude etwas Feineres aus!

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Wer macht morgen noch Dinge, die übermorgen Vintage sind?

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Wissen Sie, was ich mich frage? Wer macht morgen noch die Dinge, die man übermorgen als Vintage verkaufen oder kaufen kann? Das, weil ich gestern in einer seriösen Nachrichtensendung von einem sog. Experten vernahm, dass die Industriegesellschaft nun beendet und von der Servicegesellschaft abgelöst werde. Das sei sehr gut, denn nun müsse niemand mehr schuften, alles sei ja bald irgendwie und irgendwo aus dem virtuellen Raum mittels Simulation abrufbar. Das sagte er nicht genau so, denn ich bin einerseits alt, so dass ich sowas nicht ganz begreifen mag, andrerseits so lebensweise, dass ich solche Schnöseleien nicht glaube. Leider nützt das nichts, denn diese Leute machen wohl alles kaputt, was es noch an Konkretem und Nützlichem und Sinnvollem und Schönem zu tun und herzustellen gibt. Diese Leute empfehlen nun ebenfalls, das Grundeinkommen für alle einzuführen. Das ist sehr praktisch, denn so müssen sie sich kein Gewissen machen, wenn durch die/ihre Vernichtung von Arbeitsplätzen, die ja nicht mehr „nötig“ sind, massenweise Menschen unglücklich werden. Sie verlieren ihre Jobs, in denen sie durchaus etwas herstellen, wie z.b. Bürsten, Pfannen, etc, also alles, was man braucht.

Man gibt ihnen dann einfach ein monatliches Almosen, das der Staat bereitstellt, der jedoch irgendwann auch verlumpt, denn bekanntlich bezahlen Service-Konzerne wie Google oder Facebook ja nirgendwo Steuern. Apropos Facebook, ich bin schon sehr verwundert wie öffentlich rechtliche Sender ganz selbstverständlich Programminhalte mit dem Spruch: „Das finden Sie auf unserer Facebookseite“ propagieren. Ich will nicht hören, dass eine Firma (die nicht Steuern bezahlt und auch etwas dümmlich daherkommt, inklusive dem Scheff) ganz selbstverständlich als Mit-Bestandteil eines Senders bezeichnet wird. Das ist Produkte Placement oder eher unerlaubte Schleichwerbung. Sind die öffentlich Rechtlichen zu dumm, das zu bemerken. Oder werden sie hintenherum dafür bestochen? Oder beides.

Aber ich wollte ja darüber reden, dass Menschen Dinge herstellen, das gerne tun, man braucht nur die zufriedenen Gesichter derjenigen anzusehen, die von ihrem Gewerbe oder Handwerk erzählen. In dem sie etwas erschaffen, uns damit Freude machen. Ja, chrampfen ist anstrengend, nicht immer lustig. Doch wenn ich mir die Lemminge ansehe, die morgens schon wie tot in ihre Service-Konzerne rasen, unterwegs ihre kindlichen Accessoires in die Kita werfen, dann scheinen mir die Prognosen von Silicon Valley Trotteln und WissenschaftlerInnen, dernen Hände man ansieht, dass sie noch nie im Leben im Dreck oder Spühlwasser gewühlt haben, als sehr bedrohlich. Wollen Sie in einer Welt leben, in der es nur noch Service und Dienstleistung, was immer das sein mag, statt Handfestem gibt, leben? Ich nicht.

Mir fiel nämlich plötzlich ein, dass es dann ja auch nichts mehr geben wird, das von Hand zu Hand weitergereicht werden kann. Etwa gut eingelaufene Schuhe, ein schöner Tisch, eine Uhr, eine Tasche, von Mama handgeschriebene und ausprobierte Kuchenrezepte, Kehrbesen. Die Sendungen bei BBC, in der die Leidenschaft zu Vintage gezeigt wird, gibt es dann nicht mehr, weil es nichts mehr gibt. Es gibt dann nur noch Bits & Bytes und all diese Schnösel, die erst noch so Scheisse aussehen wie jener Silicon Valley Nerd. Das ist mir überhaupt aufgefallen, ich habe noch nie einen Behaupter oder Arbeitsplatzvernichter gesehen, der sympathisch aussah. Der glücklich wirkte. Ich glaube, die sind bloss neidisch auf all jene, auf uns, die noch gerne von der Hand, mit der Hand arbeiten. Sie möchten uns entfernen, bieten uns dafür das Grundeinkommen an, das sie aber selber nicht mitfinanzieren wollen. Ich sehe das als wirtschaftskriminell und unethisch an. Ich glaube nicht, dass ich das will, ich will keine Welt, in der es eine Abteilung gibt, die nichts mehr schaffen darf und eine, die diese Kaputtmacherei fabriziert hat. Bloss, wie aufhalten? Also da fällt mir grad der Song von Ton, Steine, Scherben ein: Macht kaputt, was uns kaputt macht. Leider bin ich Pazifistin, und so strafe ich Service-Trendlöli mit Nichtbeachtung – und schreibe weiterhin echte Bücher, die Ihre Kinder dann auf einem Flohmarkt, falls es sowas noch geben wird, als Vintage-Books feilbieten können.

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Das Leben aufräumen, Teil 2: Mit einer Pessach-Putz-Geschichte!

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„Cholerabschacreft[1]“, knurrte ich und hielt ihn mit allen Kräften fest. Er zappelte verzweifelt, aber es nützte ihm nichts. Einer Chutzpe[2]-Lady wie mir würde dieses stattliche Exemplar nicht entkommen. Verdammt, wenn meine Perücke nur nicht so jucken würde. Ich lüpfte das mausbraune Exemplar, kratzte kurz meinen echten Scheitel, schob das Haarteil wieder in meine von Sorgenfalten entstellte Stirne. Dann zielte ich und  schoss. Getroffen, exakt ins Genick. Er lag nun ganz still.

Ganz viele Wochen vorher – wie alles begann…

Alles kam daher, weil Mama, eine geborene Finkelstein – die momentan ihr Haar in veilchenblau trug, da diese Extravaganz die Damen im hebräischen Seniorinnenstift „Zur frailichen Mamme“[3] neidisch machte – mir unter die Nase gerieben hatte, dass ich immer noch solo war. Dies rund zehn Jahre nach der Scheidung von Rubin „Rubele“ Liakowski – „dem besten aller Ehemänner, den du einfach so stehengelassen hast“ – , wie sie als jiddische Mamme genüsslich jammerte.  Dann flugs hinzufügte:

„Oi[4], wie der liebe Bernie sich über einen netten Stiefpapa freuen würde. Ausserdem ist Rezepte aufzuschreiben kein ordentlicher Beruf. Nu[5], Lili, soll ich Meira bitten, ihrem wirklich ganz reizenden Harry deine Telefon…“

„Untersteh dich Mama, was soll ich mit noch einem Muttersöhnchen! Ich habe mit meinem Bernie genug am Hals. Ausserdem, ich bin Gourmet-Kolumnistin, alle mögen meine Multikulti-Rezepte im „Stadtblatt“. Auch du, gibs endlich zu!“

Doch Mama gab niemals etwas zu, hatte bereits eingehängt. Sie war überaus resolut, mochte keine Sekunde an ihre einzige Tochter verschwenden, wenn der Bridgetisch rief, und die Diskussionen über potentielle Ehemänner, merkwürdige Berufe und ihren vernachlässigten Enkel wieder einmal ins Leere liefen.

Trotzdem, dieses x-te Telefonat zum Thema muss mich an jenem Tag ins Wanken gebracht haben. Ausserdem war mir just die Testkocherei für meine zweimal wöchentlich erscheinende Kolumne misslungen. Der lauwarme jemenitisch-kalifornische Avocadosalat sah aus wie schon gegessen. Einfach grauslig. Ich warf also den Kochlöffel hin, verliess die Redaktionsküche, ging wie üblich um diese Nachmittagsstunde ins Bistro nebenan und prallte hier sozusagen in mein Schicksal – in Fred Schwenz junior. Seines Zeichens Polizist. Er sass auf meinem Lieblingsplatz, schlürfte meinen Himbeersirup, den die Serviererin Olma bereit bereit gestellt hatte, ass seelenruhig das letzte Croissant. Olma versuchte ihn, davon abzubringen.

„Herrjesses, Herr Polizist, Frau Liakwowski wird sie glatt umbringen.“ Sie rang die Hände.

Man hätte also gewarnt sein sollen, aber ein Goi[6] der hiesigen protestantisch-zwinglianischen Provenienz hat wenig Fantasie. Deshalb keine Ahnung, was eine echte Chutzpe-Lady  mit ihm anstellen könnte. Ich segelte also erst an ihm vorbei, drehte auf meinen knallroten Pumps einen winzigen Kreis, bohrte dem Uniformierten den Zeigefinger zwischen die Schulterblätter. Er zuckte zusammen, warf die Hände in die Luft. Unter dem Tisch lugte ein Hundekopf hervor. Und als der Polizist „Fass Hasso!“ zuflüsterte, kroch dieser in Zeitlupe unter dem Tisch hervor und wedelte mich freundlich an.

Ich nahm das Croissant, das in des Wachtmeisters erhobenen Händen schwebte, reichte es dem Hund, der mich fortan lieben würde. Der Blonde drehte den Kopf, sah dermassen erschüttert aus, dass ich ihn spontan zu meinem Sirup einlud. Er war ja auch recht adrett: das Turicum-Uniformblau passte bestens zu den seegrünen Augen, dem jungenhaft strubbligen Haar, kein Bauchschlauch hing über seinem knapp geschnürten Gürtel, keine  winzigen Füsse, was ich an Männern hasse. Denn die meinigen sind ordentlich gross, wenn auch keine Lastkähne, wie Mama gerne schnödet. Und er war augenscheinlich in einem richtigen Beruf tätig, ergo mit einem schönen Einkommen,  was eine Alleinerziehende samt verwöhntem Sprössling entlasten könnte. Warum nicht so einer, besser als gar keiner…,  sinnierte ich.

Die letzteren Gedankengänge verliefen natürlich völlig unbewusst. Eine emanzipierte Karrierefrau wie ich es trotz einer Höhere-Tochter-Erziehung bin, hätte solches nie lauthals geäussert.  Ausserdem näherte ich mich der Lebensmitte, war sozusagen hart an den Wechseljahren schwitzend. Kurz bestens etabliert und mit meinem eigenen und dem meines Sohnes Wohlbefinden ausgelastet. Wozu gerade jetzt ein Kerl, war ich total meschugge[7]? Ich schüttelte den Kopf mit den blondierten Schnittlauchlocken, linste durch meine Lesebrille  auf den Stapel Rezepte, die ich in die Pause mitgeschleppt hatte.

Ich hätte mich also nett verabschieden können, stattdessen landete ich umgehend mit Fred oder Freddie, wie ihn alle nannten – in meinem Bett. Das im dritten Stock  eines verwitterten Mietshauses steht, leider genau über der Wohnung der ultrafrommen Familie Rosenstock. Die unser fröhliches Stöhnen wohl mitbekam. Jedenfalls strafte mich Mamme Rosenstock mit einem sorgenvollen Blick,  als ich am nächsten Tag mit jenem Gesichtsausdruck, den Frauen nach mindestens zwei Orgasmen aufweisen, die Treppen hinuntereilte.

„Oi weiss mir[8],  Frau Liakowski, ein Goi in Uniform, finden Sie das nicht, unpassend? Und der arme, kleine Bernie…“

„Ich wusste nicht, dass Sie über Röntgenblick verfügen, sind Sie etwa Supermamme[9]?“ fragte ich und drückte mich an ihr vorbei, was schwierig war, denn sie war mehr als dick. Kein Wunder bei den fetten Hühnersuppen, die sie jeden Schabbes ihrem mickrigen Mann Abi und den vier Töchtern, auftrug, von denen sie hässlichste gerne mit meinem siebzehnjährigen Sohn verkuppelt hätte. Doch Bernie sah lieber den schmalhüftigen Schicksen[10] in seiner Schule hinterher.

Mir wars recht, ich war tolerant, verstand unter moderner Ausübung meiner in Turicum nicht alltäglichen Religion vor allem fröhliches Kochen und Schlemmen – und das Leben nicht allzu tragisch zu nehmen! Genau das Gegenteil meiner geradezu leidenschaftlich seriösen Mitbürger.

„Eine vom Schabbes[11] erschöpfte Frau kann nachts eben nicht schlafen, und da habe ich leider mitbekommen, dass Sie über uns zugange waren“, entschuldigte sich Mamme Rosenstock und lief dabei knallrot an.

„Bernie wird’s überleben, ausserdem ist er mit Kopfhörern auf seinen Ohren eingeschlafen. Das habe ich vor der Ausübung mütterlicher  Wolllust kontrolliert. Einen wunderschönen Morgen wünsche ich Ihnen – und der ganzen Mischpoche[12]“, sagte ich und umfasste mit meinem Morgengruss alle vier Töchter, die sich zum Lauschen unter der Wohnungstüre aufgereiht hatten. Manchmal konnte einem so perfekt vorgeführtes  Familienglück ziemlich nerven. Und die wöchentliche Schabbesmahlkocherei auch. Deren herrliche Düfte stiegen nämlich in unsere Wohnung, wo sie mich marterten, weil ich wegen meiner kalorienreichen Profession permanent, natürlich vergeblich auf Diät bin.

Die Rosenstocks gingen wie üblich beleidigt ab, ich eilte beschwingt an meine Arbeit. Und so ging es in und bei ähnlichen Variationen und Reklamationen weiter, volle drei Liebesmonate lange. Ich war glücklich, Bernie wars recht, da ich ihn angeblich weniger penetrant überwachte. Meine Kolumne florierte, und Freddie wohnte mittlerweile bei uns. Samt Hasso auf der Wachte, dem Altdeutschen Schäferhund mit den dünnen Nerven. Alles war so wunderbar normal.  Nur Mama ging mir mit ihrer Nörgelei weiterhin auf den Wecker. Wo ich doch geglaubt hatte, sie wäre über meine Anschaffung erfreut.

„Einfach den Erstbesten, der das Croissant wegputzt, zu vernaschen!“ empörte sie sich. „Von mir hast du diese Chochme[13] nicht. Entschuldige dich endlich bei Rubele, der nimmt dich vielleicht zurück.“

„Mama, du weißt genau, dass mein Ex bereits drei neue Kinderlein hat. Wenn du Freddie endlich kennenlernen würdest, hättest…“

„Würde, hätte, schnätte… nebbech[14] Lili, lass mich in Ruhe mit diesem Frischling Freddie, erklär mir lieber, was diese Affäre für eine Zukunft hat?“

Sie hing ein, und die Frage blieb in der Luft hängen. Nun ja, was brauchte ich mütterliche Zustimmung zu den Freuden mit meinem tagsüber uniformierten, nachts in gestreiften Flanell schnarchenden Liebhaber. Leider hatte sich unsere Liebeslust verdächtig schnell in die unteren Gänge geschaltet. Mithilfe im Haushalt war ebenfalls nicht angesagt.  Kein Wunder, bei dem Pensum, das der arme Freddie neben mir absolvierte: Streifendienst mit seinem neuen Partner Carlo Giovannelli, dessen Frau Danielle Weinberg meine Cousine und beste Freundin war, die mich natürlich umgehend über alles informierte, was Freddie Carlo anvertraute.  Zudem die städtische Mister-Camping-Wahl, an der sich Frischluftfan Freddie heuer beteiligen wollte. Weil als Preis der „Goldene Häring“ nebst einem aufgemotzten Jeep aus Armeebeständen winkte. Objekte, die jeder normale Mann sein eigen nennen wollte, wie Freddie schwärmte.

„Ganz klar, ohne sowas kommst du in der Bergwelt rund um Turicum nicht klar“, gab ich mich verständnisvoll. Unser Hausberg, der Goldhügel, ist hundert Meter hoch.

„Darling, du bist so verständnisvoll, das habe ich meinen Kollegen schon erzählt“, freute sich Freddie. Wie bitte, ging eine Chutzpe-Lady wie ich neuerdings als Verkörperung der Sanftmut durch?

Ich griff zum Telefon, beriet mich mit Freundin Stella Blumensteen, die in einem ultrabreiten, geschmacklosen Bungalow am erwähnten Goldhügel residiert. „Sei froh, dass du endlich einen Boy-Friend oder eher: Goi-Friend hast“, mokierte sie sich. „Auch wenn er ein Schnorrer[15] ist. Betrachte ihn als kostengünstige Erhaltung deines rasant sinkenden Hormonspiegels.“

Ich schnaubte, ihr eigener war nur gleichbleibend überhöht dank der Hormone, die die rassige Fünfzigjährige so reichlich wie Smarties schluckte. Dann schwatzte sie mir die Ohren über ihren nagelneuen Koikarpfenteich voll, für dessen Einweihung sie Gatten Ronald Frankfurter mit einem Koi der Nippon-Klasse überraschen wolle.

„Schatzeli, so ein schwimmendes Sushi kostet glatte Hunderttausend“, gab sie an. Ich heuchelte Bewunderung. Stella, die verarmte Ex-Miss-Pampa hatte sich einst samt atemberaubenden Bikinikollektion aus der jüdischen Haute Volée von Buenos Aires nach Turicum abgesetzt,  sich hier umgehend den Chefredakteur Frankfurter vom „Stadtblatt“ geangelt. Darauf den koscheren[16] Partyservice „Gut Schabbes“ eröffnet, mich an einer Batmitzwah[17]-Party versehentlich mit misslungenen, beinharten Mazzekneideln[18] überschüttet und als Wiedergutmachung meine Talente an ihren Gatten vermittelt. Wofür ich ihr nun lebenslang dankbar sein musste.

Es reicht, nun wissen Sie genug über Familie, Freundinnen Fisch und Co. Leider begann mein Liebhaber mich alsbald ordentlich zu nerven. Für drei samt Hund war einfach nicht genug Platz bei uns. Ausserdem ging sein ganzes Gehalt für sein Wettkampftraining flöten. Ich sann auf Abhilfe. Ohne bei Mama das Gesicht zu verlieren.

„Ma, würdest Freddie wohl gerne rauswerfen, könntest behaupten, dein Sohn sei durch einen Liebhaber im Abiturstress behindert“, spornte mich Bernie listig an.

„Abiturstress?“, lachte ich ihn aus, „seit wann besteht der aus den neuesten Hebrew-Hiphop-CDs? Ausserdem handelt sich bei Freddie um einen seriösen LAP, einen Lebensabschnittspartner“. Bernie winkte gelangweilt ab, gemeinsam äugten wir ins Wohnzimmer, das wir selten betreten, damit es bei einem Ueberaschungsbesuch Mamas perfekt aufgeräumt ist. Dank Freddie war es aber zu einer Probebühne verkommen, alle Utensilien des nahen Camping-Wettbewerb lagen hier fein säuberlich ausgebreitet: Kessel, Zeltblachen, Häringe, dazu eine Videokamera, mit der er sich selbst filmte, um seine Aufbautechnik zu optimieren.

„Idiot“, murmelte Bernie und latschte ins Bad

Es klingelte Sturm. Ich öffnete, draussen standen zwei schwitzende Männer, die einen mächtigen Styroporbehälter trugen.

„Bringen Sie das Herrn Schwenz aufs Revier. Ich bin doch keine Spielwiese“, murrte ich. Der eine zog einen Zettel aus dem Blaumann, reichte ihn mir. „Gleich öffnen und geeignet unterbringen, komme übermorgen und hole ihn ab. Gruss Stella.“

„Da ist was anderes, bringen Sie das Ding in den Flur“. Bernie kam mit einem munteren „Tschüss Ma, Prüfungsfitnesskurs, es wird spät…“ aus dem Bad geschossen, verschwand aus der Türe.

Mein Protest verhallte ungehört, dieser baumlange Jüngling war einfach zu raffiniert. Aber natürlich liebte ich meinen Bernie innig, schon deshalb musste ich Wohnungsbesetzer Freddie hinauskomplimentieren, um zukünftig eine Liebe auf Distanz zu führen. Natürlich würde ich Freddie fair und mit einem leisen Lächeln des Bedauerns darüber informieren. Das setzte ich übungshalber auf, als ich den Behälter öffnete und sogleich erstarrte, als ich den Inhalt sah: einen schneeweisen Riesenkarpfen mit einem einzigen orangen Tupfer. Er war die Ruhe selbst, fächelte mit den Flossen, schob sein Riesenmaul aus dem Wasser und blubberte. Da klingelte das Telefon, ich hob ab.

„Hat Sushi schon Hunger?“ flötete Stella. „Schau mal in der rechten Aussenwand nach, da steckt sein Leckerchen.“

„Häh“, sagte ich. Dies, obwohl Mama mir Manieren eingebleut hatte.

„Der Koikarpfen, Schatzeli, den sollst du für mich aufbewahren, bis der Teich fertig ist.“

„Spinnst du Stella, was soll ich mit einem Fisch? Die Wohnung ist bis oben mit Freddies Plunder zugestellt.“

„Sei doch nicht so zickig, Ich hatte damals auch Zeit, dich zu empfehlen, obwohl du vom Kochen und Schreiben keinen blassen Dunst hast. Du lässt Nippon, so sein Name, in deiner Badewanne schwimmen. Ronnile kommt übermorgen spät zurück, dann surft Nippon längst im neuen Superteich. Der wird Augen machen.“

„Der Fisch?“

„Ronnile natürlich. – Lili, bist du noch da, hör mal, das Wasser muss supersauber sein, die Viecher sind sehr sensibel.“

„Und wie soll ich ihn in die Wanne kriegen?“

„Kein Problem, der ist ganz zahm. Tschau, ich melde mich morgen wieder.“ Peng, eingehängt, na toll.

Wieso Stella ihn nicht zuhause hältern konnte, begriff ich nicht. Dann fiel mir ein, dass Stella momentan ihre fünf Bäder neu plättelte. Sie war eine Powerlady, liebte es, ganze Armeen von Domestiken herumzukommandieren. Ich füllte also die Wanne, liess Nippon ins Wasser gleiten. Streute Koi-Drops, liess das gewichtige Exemplar zufrieden schmatzend im Bad zurück.

Kaum hatte ich den Rührstab in der Mayonnäse versenkt, klingelte es schon wieder. Mit einem saftigen Fluch öffnete ich die Türe – Frau Rosenstock.

„Frau Liakowski, ich möchte nicht stören, zumal unbekleidete Männer …“ Sie schob die Türe weit auf, starrte in den Flur.

„Pech, mein Freund ist bereits im Dienst. Er ist ja ein so pünktlicher Mensch…“ Cholerabschacreft, was musste ich mich vor Supermamme rechtfertigen. „Was gibt’s Frau Rosenstock, ich bin in Eile. Meine Kolumne, Sie wissen schon.“

„Oi, Ihre literarische Tätigkeit in allen Ehren, aber wir kochen streng koscher. Und deswegen wollte ich anfragen, ob Sie dieses Jahr nicht vielleicht – schon wegen des lieben Bernies  – über die Freuden eines koscheren Pessachfestes reflektieren möchten. Meine Töchter, allen voran Rahel, würden Ihnen beim…“ – sie musterte den von Styroporkrümeln behafteten Teppich im Flur – „offensichtlich bitter nötigen Pessach-Putz kräftig zur Hand gehen.“

Das hätte gerade noch gefehlt! Neben all meinem aktuellen Stress mit Kind, Karpfen, Kolumne noch den Höhepunkt des jüdischen Pessachfestes, das Seder-Mahl,  vorzubereiten, vor dem die Wohnung gründlich gereinigt werden musste. Und mir so nebenbei Rahel mit den Mäusezähnen als Schwiegertochter unterschieben zu lassen.

„Bernie sucht genauso gerne Ostereier. Wir haben es nicht so mit der religiösen Korrektheit, Herr Schwenz soll sich bei uns ja nicht als Minderheit fühlen.“ Ich schloss die Türe. Dann sah ich nach Nippon, der nach Futterdrops tauchte, verschwand in der Küche, um die rot gefärbte Mayo – ich wollte in der aktuellen Kolumne eine tunesisch-turicensische Fonduesosse präsentieren – einzupacken. Ich hatte sie in meiner eigenen Küche zubereitet. Was ich bereute, denn wäre ich nicht da gewesen, hätte Stella sich eine andere Wanne suchen müssen. Nun ja, ich bin ja nicht so. Und Chef Ronald würde ob Stellas Geschenk hingerissen, vielleicht mein Honorar aufstocken. Ich eilte aus dem Haus. Der Hinweiszettel, den ich Freddie in Sachen Fisch hinterlassen wollte, ging vergessen.

In der Redaktion geriet ich gewaltig in Stress. Wir mussten die Sosse fotografieren, dazu die Fotolegende kreieren, und wie immer stritt ich mit der fiesen Fotoredaktorin Paula Nüsschen wegen meines Portraits, das aus Spargründen seit Jahren  dasselbe war. Völlig unretuschiert und deshalb grässlich realistisch. Kein Wunder wurde ich, wenn ich im lokalen Supermarkt im Schlafzimmerlook kreiste, dauernd erkannt.

„Uebrigens“, nölte das Nüsschen, „ihr Herr Freddie hat vorhin angerufen, war ziemlich aufgeregt, irgendwas mit Ihrem neuen Goldfisch, würde einen neuen besorgen, sollen nicht herumzicken deswegen, meinte er.  Kann mir gar nicht erklären, wie eine wie Sie so einen feschen, jungen Mann abgekriegt hat.“ Ich blieb bockstill stehen, die Sosse tropfte vom Löffel auf den Kopf des Fotografen, der vor dem Tisch kniend die Sosse ablichten wollte.

„Nein!“ schrie ich.

„Gibt Schlimmeres“, tröstete der Fotograf.

Ich machs kurz, ich war in exakt zehn Minuten zuhause, stürmte in die Wohnung, ins Bad, sah Nippon kieloben treiben. Mause- nein fischetot! Ich schnappte nach Luft. HUNDERTTAUSEND  hatte er gekostet, und jetzt war der „Goldfisch“ alle. Stella würde mich umbringen.

„Darling, darf ich etwas dazu sagen? Weißt ja, dass ich Mücken hasse, habe deshalb im Internet ein Mückengiftrezept heruntergeladen, stell dir vor, war dann alles im Putzschrank vorrätig. Habe das Wasser gleich mit dem Tinkturglas aus der Wanne geschöpft. Das hat den Flosser gekillt.“ Freddie zeigte auf ein volles Gläschen in der Hand, dann verlegen lächelnd auf Nippon selig.

„Ganz klar, dass du ökologischerweise vom vorhandenen Nass nehmen wolltest, passt ja zu deinem Freilufttick.“ Ich sprach sehr langsam.

„Ach Darling, einer wie ich ist ja lernfähig, und ich freue mich jetzt schon, wenn ich dir den „Goldenen Häring“ und den Autoschlüssel überreichen darf. Ist allemal besser als ein Goldfisch in der Wanne.“ Freddie blickte verträumt in die Mückentinktur, die Nippon gemeuchelt hatte. Mitsamt meiner Zukunft. Ich würde bei Stella lebenslang als Küchensklavin anheuern müssen, um den Koi abzuarbeiten.

Ich rannte ins Schlafzimmer, schubste Hasso, der auf meinen Laken einen Pantoffel zerkaute, hinunter. Trommelte mit den Fäusten aufs Kissen und schlief prompt ein. Das tun die Finkelsteins stets, wenn sie Zeit gewinnen müssen. Eine Ewigkeit später wurde ich durch Juchzer geweckt, war eine Sekunde lang ganz ahnungslos, dann fiel mir alles wieder ein.

„Juhu, Darling, komm schnell ins Bad. Ich habe den Traumschaum vom „Mecker“-Markt eingelassen. Keine Bange, der Goldfisch liegt schon im Kühlschrank.“

„Dieser Goldfisch war ein waschechter Koi, du Schmock! Hast vorhin hunderttausend Euro versenkt.  Was sagst du nun – bevor ich dich rauswerfe?!“

Freddie sass bis zum Hals im Schaum. Seine Augen traten vor Schreck hervor. Ich ignorierte ihn. Wenn ich Stella mit meinem grässlichen Geständnis vor die Augen treten musste, dann wenigstens mit Stil und Klasse. Ich griff zur Haarbürste und zum Fön neben dem Lavabo. Knipste das Ding an, doch das vertraute Rauschen blieb aus. Ich blickte auf das Elektrogerät, es war nicht mein Fön, sondern ein länglicher Stab, der bläuliches Licht verströmte.

„Nagelneue Mückenlampe! Noch besser als meine Tinktur“, informierte Camping-Freak Freddie mich.

Ich holte aus, wollte dem Idioten eins überziehen, doch Freddie stand fix auf, wand sie mir aus der Hand. „Jetzt hab dich nicht so hysterisch, in unserem Turicum kann man solch typisch semitische Gefühlsausbrüche gar nicht leiden.“

Das war zuviel. Ein toter Fisch, schlecht, ein dummer Liebhaber, unmöglich, aber rassistische Bemerkungen – nicht bei mir! Wenn meine Blicke hätten töten können.

Das war aber nicht nötig. Freddie hatte sich durch die Greifaktion aus dem Gleichgewicht gebracht, der Badezusatz die Wanne glitschig gemacht. Freddie ging samt Lampe in die Horizontale. Platsch, zisch – ich brachte mich im Flur in Sicherheit. Und als ich das Bad wieder betrat, hatten wir in der Liakowski’schen Wohnung schon die zweite Wasserleiche. Freddie schwamm unterschaum, nur ein angeschwärztes Würmlein ragte im Mittelfeld steif aus dem Wasser, ein Räuchlein stieg von ihm gen  Badezimmerhimmel. Hasso besah sich das Malheur, bellte begeistert.

Jetzt konnte mich nur noch meine patente Cousine Danielle retten. Sie war meine Retterin in der Not.

Und sie kam, sah, kreischte kurz, organisierte. Ihr Plan sei genial, lobte sie sich selbst. Hatten die Rosenstocks nicht zu einem Pessach-Putz geraten? War der gute Bernie nicht bis abends beschäftigt, konnte danach nützlich eingesetzt werden? Danielle liess entschlossen ihre rote Aussenwelle wippen, leckte den Bleistift ab, machte sich Einkaufsnotizen. Zuletzt liess sie das Wasser aus der Wanne, legte mir einen Eisbeutel auf, hiess mich still zu sitzen. Dann rannte sie aus dem Haus, um einzukaufen.

Als ich mich zwei Stunden später im Spiegel betrachtete, schrie ich auf, während Danielle begeistert in die Hände klatschte: Eine koschere Version Lili Liakowskis starrte mich an. Komplett, samt blickdichter Strümpfe, braver Pumps, unten wadenlanger Faltenrock, oben hochgeschlossene Rüschenbluse. Mein Haupt zierte ein Scheitel, eine Perücke, die jede religiöse Jüdin trägt, wenn sie das Haus verlässt. Wie ich, die nun mit Danielles Hilfe zum Pessach-Putz ansetzen musste. Assistiert vom braven Hund Hasso, der mir die Kehrichtschaufel hinterhertrug.

Bekanntlich reinigt jede fromme Familie vor dem mehrtägigen Pessachfest, das an den Auszug des israelitischen Volkes aus der Versklavung im Alten Aegypten erinnert, die Behausung von jedem Brotkrümel. Dies im Angedenken an die Flüchtenden, die lediglich in Eile gebackenes, ungesäuertes Brot, die hauchdünnen Mazzen, mitführen konnten. Sie werden jedes Jahr am einwöchigen Pessachfest im Frühling statt Brot gegessen.

Frau Rosenstock betrachtete mit Wohlwollen, wie ich in meinem züchtigen Outfit demonstrativ vor der Wohnungstüre fegte, auch unter dem Teppich nach restlichen Brotkrümelchen fahndete. Und ihre Töchter, die gerne ihrer Nachbarin zu ihrem Seelenheil verhalfen, packten beim Transport der gefüllten Müllsäcke mit an. Nicht einmal vor dem grössten tropfenden, den wir nur unter viel Stöhnen dem gerade vorfahrenden Müllpresswagen, übergeben konnten, kniffen sie. Ich sah dem davonrumpelnden Wagen mit einem wehmütigen Lächeln hinterher.

„Oi, Frau Liakowski“, schniefte Mamme Rosenstock und tupfte sich die Augenwinkel, „ich freue mich mit Ihnen und Bernie, dass Sie endlich ein perfekt koscheres Pessach feiern. Hoffentlich ist nichts zurückgeblieben.“

„Garantiert nicht“. Alles war piccobello sauber, die Wanne geschrubbt, Mama, die ich nun zum ersten Mal zu einem Sedermahl einladen konnte, natürlich zu Gefiltem Fisch[19], würde mich mit Lob überschütten und garantiert nicht nach dem Verbleib des ungeliebten Freddies fragen. Schnell berichtete ich dem heimgekehrten Bernie vom teuren Fischmalheur, natürlich ohne unnötige Details. Ausserdem hatte ich mein züchtiges Outfit bereits wieder gegen Schlabbershirt und Leggings eingetauscht.

Polizist Carlo, war vor Bernie Heimkehr übrigens noch schnell vorbeigekommen, um Hasso und Freddies Camping-Krempel abzuhohlen. Wollte den Kram in einer unwirtlichen Stelle des Goldbergs auslegen, seinen Partner samt Hund nach dem  Wochenende als verschollen melden. Ich fiel ihm um den Hals, wie durfte ich froh sein, dass wenigstens ein Polizist sich als echter Freund und Helfershelfer entpuppte.

„Ist allemal besser so, Lili“, meinte er, „wer würde dir denn diese blöde Koi-Mückenlampe-Story glauben? Aber ein verschwundener Camper, das passiert im Zuge dieser Mr. Camping-Wahl jedes Jahr.“ Er hatte mir aufmunternd zugenickt, zudem versprochen, Hasso gut zu verstecken, ihn bald nach der Vermisstmeldung bei uns „zulaufen“ zu lassen. Ich herzte und küsste den feisten Carlo nochmals voller Dankbarkeit, was ihn erröten liess und Mamme Rosenstock, Rahel im Schlepptau, zur sofortigen Umkehr veranlasste. Behend zog ich die Perücke und winkte ihr nach.  Dann übergab ich meine Verkleidung an Danielle, mit leisem Bedauern allerdings, koschere Klamotten waren ja soo bequem.

Als Bernie nach Einbruch der Dunkelheit  zu seiner Mission auszog, wässerte ich Nippon gründlich, verarbeitete ihn liebevoll zu Gefiltem Fisch, schliesslich war auch dieser Teuro-Karpfen nichts als ein Fisch. Ich verwendete ein Rezept von Stellas „Good Schabbes“-Catering. Wenn sie wüsste, ich musste kichern. Die Türe ging, Bernie war zurück, überreichte mir in einer mit Wasser gefüllten Plastiktüte einen im nahen Museumsparkteicht gemopsten, zahmen Karpfen. Genügend Farbe, und er würde exakt wie Nippon aussehen. Nun musste alles schnell gehen.

Und auch wenn er gewaltig zappelte, traf ich mit der Farbpistole genau an den richtigen Ort, ins Genick: Ein perfekter orange Tupfer zierte das weiss gespritzte Schuppenkleid. Alles absolut wasserfest.

Jedenfalls blieb nach der erfolgten Uebergabe das Telefon stumm, keine Stella, die wegen eines abfärbenden Kois heulte.  Schliesslich hatte die gute Danielle vor ihrer Hausfrauenkarriere als Filialleiterin bei „Mecker“ gearbeitet, wo man Qualitätsprodukte fürs traute Heim bekam. Meins war nun blitzsauber dank des Pessach-Putzs, und Mama wischte anerkennend über den geschrubbten Küchentisch. Lobte gar meinen Gefilten Fisch.

„Köstlich, wenn auch etwas seifig im Geschmack, ich kenne da übrigens diesen reizenden Fischhändler Goldfarb….“

„Lass Mama, du siehst, ich bin am glücklichsten mit dem lieben Bernie“, beeilte mich anzumerken, „jedenfalls bis Freddie von seinem Ausflug zurückgekehrt ist.“

Meinen teurer Sprössling und vor allem Mama schien diese Aussicht nicht zu erfreuen. Sie sah mich mit durchdringenden Blick an, musterte die ungewöhnlich saubere Wohnung. Offensichtlich kam ihr irgendetwas nicht ganz koscher vor.

„Sei dir da mal nicht so sicher“, orakelte sie, „wenn Männer einmal verschwunden sind… und von Telerleker[20] Freddie sehe ich hier absolut kein Lebenszeichen mehr.“

Ich hob schnell das Glas, manchmal war es besser, wenn Mama nicht das letzte Wort hatte: „Le Chaim[21], auf meinen Pessach-Putz.“

Lili Liakowski prostete ihrer kleinen Familie und vor allem sich selber zufrieden zu.

Das Rezept:

Gefilter Fisch für die Pessach-Feiertage

Für diese jüdische Fischspezialität wird eingekauft, was schwarmweise im Süsswasser herumschwimmt. Zum Beispiel Weissfische, Karpfen oder den edleren Felchen.

Das müssen Sie einkaufen und bereitstellen:

Im Fischgeschäft ein Pfund Süsswasserfischfilets, vorzugsweise halb Weissfisch, halb Felchen oder Karpfen mahlen lassen. 1 Ei, 1 mittlere Zwiebel, ca. 1 TL Salz, gleichviel Zucker, Pfeffer. Für den Sud: 1 ganze Karotte, 1 grosse Zwiebel, 1 Rädchen Meerrettich, Pfeffer, Salz, Zucker, Wasser, ein ordentlich grosser Kochtopf

So wird gekocht:

Zur Fischmischung die grob gehackte Zwiebel, die übrigen Zutaten geben. Im Mixer nochmals kräftig mischen, bis alles schön luftig ist und kräftig süsslichpikant schmeckt. Wie süss, ist beinahe eine Glaubensfrage, die ostjüdisch Abstammenden, die Polackes (dazu zählt die Autorin), lieben es süsslich, die Jeckes, deutsche Juden und Jüdinnen, mögen es eher salzig.

In einem grossen Topf reichlich Sud ansetzen. Mit nassen Händen längliche Klopse formen, ca. Mandarinengrösse, sie vorsichtig in den  kochenden Sud legen, sanft köcheln lassen, bis sie gar sind. Nach circa einer Stunde einen Klops halbieren, prüfen. Erkalten lassen.

Voilà – und so wird serviert:

Auf jeden Gefilten Fisch eine gekochte Karottenscheibe drapieren, einige Löffel des Suds darübergiessen und Kren, fein geraffelten, mit Randensaft gefärbten Meerrettich,  reichen. Dazu Mazze servieren. (Die gibt’s in der Koscherecke guter Supermärkte zu kaufen, fixfertigen G.F. im Glas ebenfalls…)

[1] Alle mit Fussnoten erklärten, jiddischen Ausdrücke sind hier in eher freier Schreibweise und Interpretation wiedergegeben: Wüster polnischer Fluch: die Cholera über dich… –

[2] unverschämt lebensklug

[3] zur fröhlichen Mamme

[4] Ausruf der Freude, des Herzeleids, kurz wunderbar flexibel verwendbar

[5] ein: nun? das bereits eine Feststellung ist…

[6] Jiddisch für christlichen Menschen

[7] verrückt

[8] oi – besonders dramatisch

[9] jiddische Mamme hoch drei…

[10] Schickse – blond, stupsnasig, schlank, der Wunschtraum mancher jüdischer (Ehe)Männer

[11] der wöchentliche Feiertag für fromme Jüdinnen und Juden

[12] die liebe Verwandtschaft

[13] Frechheit

[14] lass gut sein…

[15] Abzocker

[16] den sehr komplizierten, jüdisch-orthodoxen Speisegesetzen entsprechend

[17] Feier zum 13. Geburtstag jüdischer Mädchen (Barmitzwah: für Jungs)

[18] kleinere Knödel aus Mazzemahl

[19] jüdische Fischspezialität, siehe Rezept

[20] Schmarotzer

[21] ein herzhaftes Prosit

Haben Sie diese mörderische Geschichte gerne gelesen? Sich an der Illu erfreut? Beides findet sich in der Story-Anthologie „Mord zwischen Lachs und Lametta“, Gerstenberg Verlag. Längst ermittelt Chutzpe-Lady Lili Liakowski auch für EditionVOLLREIF in Romanlänge: in „Lili und der Schmock!“, Details finden Sie wie immer ganz frisch bei http://www.vollreif.ch!

Mein liebstes Hobby: (das Leben) Aufräumen!

2016-03-07 12.45.05

Ich räume wahnsinnig gerne auf. Ja, Sie haben richtig gelesen: Aufräumen/entrümpeln ist mein liebstes Hobby. Aktuell räume ich sogar lieber den Kühlschrank appetitlich adrett auf, als zu schreiben, falte noch sehr gute Kleider für die kommende Kleidersammlung, sortiere das Büchergestell aus und drapiere sogar das Obst, das ich immer vorrätig halte, in der kleinen Obstschale auf meinem Schreibtisch, zu einem ordentlichen Berglein. Und vorhin schränzte ich alle Unterlagen aus meinem Archivschrank, die nicht überlebenswichtig sind. Für mich und andere. Dazu gehören seit Neuestem auch doppelt vorhandene Textbelege. Mein Fernziel ist sogar, keine Texte mehr zu archivieren. Immerhin gibt’s mich ja in Buchform, das hat Stil und hält länger vor als eine meiner Magazin-Kolumnen. Kurz: Ich kann/will nicht leben, wenn um mich herum die Dinge sich beigen, türmen, wenn ich erdrückt werde von Unerledigtem oder Überflüssigem.

In meinem ganzen Leben bereue ich bloss das Wegschenken eines alten, sehr farbigen Wollpullis und einer pseudoantiken Kommode. Da bin ich ganz anders als viele Andere. Solche, die sich mit Gekauftem zumüllen. Und wenn die Wohnung, der Keller nicht mehr reicht, um den Wohlstandsüberfluss zu fassen, wird ausgelagert. Dann stolpere ich beim Hinausgehen über dreifach vorhandene Kindervelos, die teuren Erwachsenen-Sportvelos, die man angeschafft hat, aber nie fährt. Vor den Kellerabteilen liegt all das Zeugs herum, das man da nicht mehr reinplundern kann. Und natürlich hat man auch mehr Kinder angeschafft, als man überhaupt beeltern kann. Egal, die karrt man ja frühmorgens schon in eine Kita. Und dann rennt man zum Job, den man hasst und trotzdem machen muss (wohl ziemlich schlecht), weil am Wochenende ja Neues, Trendiges gekauft und abgelagert werden muss. Ehrlich mir tun die Leute leid, die so leben.

Ich sage denen hie und da: Wollen Sie nicht mal aufräumen, etwas weggeben, dahin, wo man nicht so viel davon hat? Ich würde gerne anfügen: Vielleicht sogar eins Ihrer kreischenden Kinder? Ich glaube, Aufräumen, so dass man leichter lebt, ist eine Sache des Respektes sich selbst gegenüber – und anderen gegenüber! Aufräumen und entrümpeln, wobei letzteres immer schneller geht, weil ich persönlich der Devise: Im Zweifelsfall NO Shopping!, huldige, macht einfach glücklich. Man braucht dazu keine teuren Laufschuhe, keine Label-Klamotten, sondern nur die Hände plus ein wenig Grips, zu entscheiden, was man braucht, was nicht. Seit ich begeistert aufräume, werfe ich keine vergammelten Lebensmittel mehr weg, ich weiss, was ich im Kühlschrank und Vorratsschrank vorrätig habe: nur das, was ich wirklich mag und brauche. Ich habe keine Illusionen mehr, im kommenden Monat die engsten Jeans tragen zu können. Die sind längst in der Kleidersammlung gelandet, ersetzt habe ich sie nicht, die Woche hat sieben Tage, also reichen dafür zwei Hosen. Und drum ist auch mein Kleiderschrank so stramm aufgeräumt wie in einer Kaserne. Es macht mir richtig Spass, da reinzublicken, besser als in jedes dumme Modemagazin, das an mageren Kindfrauen vorzeigt, was ich kaufen müsste. Nein danke, no shopping.

Ja, sie werden jetzt sagen, die spinnt! Nein, ich sage, diejenigen sind meschugge, die ihr Leben zumüllen. Und mich gleich dazu. Drum suche ich schon seit längerem ein eigenes Haus mit ein wenig Umschwung. Dorthin zügle ich nur das Schönste und damit Nötigste aus meinem Haushalt, also fast alles, was ich noch habe. Ich erinnere mich, wie ich vor einigen Jahren ein Haus im Rohbau kaufte, eine Stunde von Zürich entfernt, es luftig ausbaute und die ersten, paar Wochen nur mit einem Bett und einer Kleiderstange wohnte. Es war herrlich, dieses Gefühl will ich wieder. Und drum gehen nun alle Kleider, die ich ein Jahr lang nicht trug, in die übermorgige Kleidersammlung. Aber ich weiss natürlich, entweder ist man grosszügig bescheiden so wie ich oder eben nicht. Der Unterschied: Ich mülle andere mit meinem Wenig nicht zu.

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Foto: Der fast schon entschlackte Archivschrank, über den Frau Weissberg von viel früher wacht,  diese stilvollen Fotos habe ich natürlich (noch) nicht entsorgt.