Ich wünsche uns allen ein friedliches 2018!

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Bislang schrieb ich an einige Bekannte oder Freundinnen ein End of the Year Mail, in dem ich kurz Revue passieren liess, was mich an der Beziehung gefreut, aber auch was mich gestört hatte. Bei den meisten war Letzteres nicht nötig, es war einfach eine gute Beziehung, und wenn es Dinge gab, die mich störten, konnte man das ja mal live bereden. Ich gebe zu, dass eine jener Mails in einem Disaster endete, die Adressatin war dermassen echauffiert, dass sie den Kontakt abbrach. Es war, wie ich heute weiss, eine Abrechnung meinerseits, die ich auch viel früher, eventuell dann eben konstruktiver, eben nicht als Abrechnung, hätte anbieten können.

Dieses Jahr habe ich meine End of the year Mails glatt vergessen. Stattdessen einige blumige Neujahrsgrüsse an Menschen verschickt, die mir in Erinnerung blieben. An meinen Handchirurgen etwa, der mir so schnell und menschlich zu einem Operationstermin verhalf, nachdem ich mir in einem grossen Spital so verloren vorkam. Ich fand ihn im Internet, genau wie den sehr netten Gastroenterologen. Oder mein neuer Zahnarzt, der nicht lacht, wenn ich auch beim fünften Termin meinen Running Gag vorbringe: Sie wissen sicher, ich bin Angstpatientin!! Alle hatten Praxisteams, die mir sofort Vertrauen einflössten, weil sie sich bemühten, auf mich geduldig einzugehen. Man geht ja als Vollreife nicht fröhlich trällernd einfach so zum Doc, sondern hat etwas, das einem sehr ängstigt. Also ein grosses Dankeschön!

Und ja, ich habe es erlebt, das Altwerden geht eben nicht ohne Altwerden vonstatten. Und dies zeigt sich in Verschleisserscheinungen oder Krankheiten, die, wenn sie dicht aufeinanderfolgen oder sich sogar überlappen, auch die Seele tangieren. Ich habe eigentlich zufällig die Meditation entdeckt. In einer Meditationsgruppe, wo man kommen und gehen kann. Grad wie man sich fühlt. Es sind kleine Auszeiten in einem sehr schönen Raum, draussen tost der Abendverkehr, drinnen ist es ganz still. Einfach eine Stunde nichts sagen müssen, nicht gut oder schlecht sein, das tut mir sehr gut. Danke für diese Meditation!

Ich habe realisiert in diesem vergangenen Jahr, dass es die kleineren Dinge sind, die mir Mut einflössen. Zum Beispiel, lachen Sie nicht, dass ich fähig bin einen Duschablauf aufzuschrauben, zu entstopfen und wieder korrekt zusammenzusetzen. Letzteres dank meiner reizenden Nachbarin, bei der ich die  Dusche inspizieren und dort abgucken durfte. Sie bot mir auch gleich noch von ihrer Kürbissuppe an, die auf dem Herd stand, an. Ich war nach dem ersten Duschen, als alles so perfekt funktionierte (also in meiner Dusche), erstens stolz und zweitens meiner spontanen Nachbarin dankbar!

Froh bin ich auch, dass einige Menschen mit mir Engelsgeduld hatten, so jene Hundezüchterin, bei der ich letzten Frühling nach längerem Hadern doch keinen Welpen auswählte, weil es noch zu früh war, mich von Irettli selig endgültig zu verabschieden. Ich musste noch trauern, bis ich wie jetzt mit einem Lächeln die schönen Momente mit meiner wunderbaren, verstorbenen Golden Retriever Hündin Revue passieren lassen kann. Trotzdem hat der Kontakt zu jener Züchterin gehalten, wir sind Freundinnen geworden, und ja, wenn alles klappt, werde ich dieses Jahr wieder „Hundemom“ eines Goldenretrieverwelpen. Danke für die guten Gespräche!

Dann schneite so Mitte Jahr die Nachricht herein, dass ich Grossmutter werde. Ich habe mich sofort wahnsinnig vorgefreut. Es ist bald soweit, und ich fühle mich einigermassen gewappnet, eine gute Oma zu werden, auch dank meiner noch kleinen, quirligen Grossneffen, die ich oft treffe und die ich sehr liebe. Ich sehe sie wachsen, und ja, ich lerne immer wieder von ihnen, vorallem den nicht wertenden, unschuldigen Blick aufs Leben. Oma zu sein, wie wird das sein? Wird meine Enkelin in spe ein wenig mir gleichen, werde ich ein wenig in ihr weiterleben, wenn ich nicht mehr da bin? Danke für dieses Geschenkpaket, das mir so unerwartet präsentiert wurde!

Zuletzt möchte ich mich noch bei all denjenigen bedanken, die mir eine Chance gaben, öffentlich zu schreiben, so etwa die Kult.ch Redaktion. Ein Online-Magazin, zu dem ich nach einigen Jahren Absenz zurückgekehrt bin, und wo ich nun ohne Deadline und Druck meine Kolumnen schreiben kann. Danke diesen Freigeistern!

Ah ja, und dann müsste ich mich noch bei allen entschuldigen, denen ich noch etwas nachtrage. Wohl auch ins 2018. Ein Bekannter sagte mal, ich sei ich furchtbar nachtragend, ich wies es weit von mir, aber mittlerweile weiss ich, es stimmt. Hie und da und dort konnte ich im Lauf des vergangenen Jahres einen Versuch, einen Neuanfang zu starten, wagen. Es klappte oder auch nicht oder solala. Heute denke ich, es reicht schon, wenn man sich nochmals etwas möglichst Nettes sagt. Nichts Grosses oder Bedeutsames. Und es dann mal so stehen lässt. Open End.

Und weil 2018 ja wirklich Open End ist, noch, höre ich hier auf zu schreiben. Ich wünsche uns mit diesem wunderschönen, weissen Blumenstrauss, den ich von meinen Lieben geschenkt erhielt, ein friedliches, gesundes Jahr!

www.vollreif.ch & www.marianneweissberg.ch

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Muffins mit Nüssen statt Müssen!

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Ich wurde in letzter Zeit an einige Anlässe eingeladen, aber ich hatte keine Lust zu gehen. Zu weit weg, zu spät am Abend, zu laut, zu viele Leute, die ich nicht kennen oder wiedersehen wollte. Regelmässig machte ich mir jedoch einen Kopf und überlegte, wie ich mich rechtfertigen könnte/sollte. Dabei wusste ich genau, wieso und dass ich schlussendlich nicht gehen würde & wollte, und ich fand meine Gründe sehr legitim. Eigentlich. Dann überlegte ich, dass es ja nett ist, dass man mich einlädt, ich folgerte, dass es jedes Mal eine (verpasste) Gelegenheit wäre, das Hinterteil zu lüpfen und unter Leute zu gehen. So wie es sicher alle anderen tun. Ich werde auch nicht mit Einladungen überhäuft. Hier, wo ich wohne, machen die allermeisten auf Kleinfamilie. Kleinfamilie lädt Kleinfamilie ein. Schön lange vorher angekündigt. Damit man die Wohnung schrubben und Eindruck machen kann.

Ich bin sowieso spontan eingestellt. Ich gehe gerne bei netten Leuten nach einem kurzen Telefon: Wie wärs, wenn ich reinschaue?, vorbei. Wenns nicht passt, macht nix. Man kann bei mir auch spontan vorbeischauen, wenns mir grad nicht passt, habe ich keine Mühe, es zu sagen. Einladungen, die ich lange vorher kriege, mag ich nicht. Da muss man sich „darauf einstellen“, aber wie soll ich im voraus wissen, dass ich an dem besagten Datum Lust auf zu viel Essen, mich zu unterhalten, auf zuhören habe? Ditto Einladungen, die ich länger vorher aussprechen sollte. Garantiert habe ich dann absolut keine Lust zu kochen oder mindestens zweieinhalb Stunden lang Gescheites von mir zu geben. Da man in der Schweiz keinen spontanen Besuch mag, fällt Beispiel eins leider dahin, zwei auch, weil die wenigsten spontan vorbeischauen mögen.

Es bleiben also hie und da jene Einladungen, die einem schon Wochen vorher als Eintrag, bzw. Obligatorium im Terminkalender anstarren. Wo kann man sich mit fester Stimme sagen: No way, nur über meine Leiche. Und überhaupt ich bin ja niemandem Rechenschaft schuldig, wieso ich da nicht hingehen mag. Moment, das erinnert mich an erwas: Kennen Sie diese Menus, die aufpoppen, wenn man sich z.b. von einem Newsletter oder einer Online-Plattform abmeldet? Da wird man im Befehlston aufgefordert, anzuklicken, was die Gründe sind, dass man sich unverschämterweise abmeldet. Ich habe das eine Zeit lang sogar brav gemacht, weil ich dachte, sonst muss ich womöglich ewig bleiben, bis ich dachte, gaats no?

Kürzlich meldete ich mich von einer Service-Plattform ab. Prompt kam statt einer solchen Begründungsklickliste eine persönlich gehaltene Mail, in der der Betreiber mich fragte, WAS DIE GRÜNDE seien, dass ich nicht mehr dabei sein möchte? Man wolle das zur Verbesserung nutzen. Ich war perplex. Es war so, wie wenn jemand bei mir jemand reingetrampt wäre, den Fuss in die Türe geschoben hätte: Wieso kommst du nicht mehr? Wieso liebst du mich nicht mehr? Es war doch einfach so, dass ich nicht mehr dabei sein wollte, weil es mir nicht mehr passte. Diese Gründe muss ich nicht im virtuellen Kreuzverhör darlegen. Trotzdem fühlte ich mich ein wenig schuldig…

Hier mein Fazit: Wenn Sie wohin gehen möchten, merken Sie das. Es kann dann spät, dunkel, laut sein, egal, Sie ziehen sich frohgemut hübsch an, Sie reden liebend gerne mit, Sie hören auch mal hingebungsvoll zu und Sie essen gern zuviel. Dann gehen Sie heim und haben ein gutes Gefühl. Wenn Sie nicht gehen wollen, dann merken Sie das. Im besten Fall vorher. Glauben Sie an sich und finden Sie eine gute Ausrede. Ausser in jenen Fällen, wo es gar nicht nötig ist. Sie dies nur tun würden, weil Sie immer noch ein braves Meitli oder Bub sind. Nein, es kann sogar grosse Befriedigung bereiten, Dränglern mit vornehmer Nichtbeachtung zu begegnen. Ich bin dann mal nicht da. (Die guten Gründe kennen nur Sie…) So wie heute Abend, wo ich auch wohin sollte. Ich habe stattdessen diesen kleinen Essay geschrieben und gleichzeitig köstliche Spontanmuffins gebacken, werde mich nun mit diesen aufs Sofa zurückziehen. Und jubeln, wie schön, dass ich zu Hause geblieben bin! Entschuldigungslos.

http://www.marianneweissberg.ch und http://www.vollreif.ch – hier können Sie reinschmökern, gemütlich im Warmen…

Happy Weihnukka: Feiern für Meschuggene!

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Ich liebe diesen kleinen Essay, drum lasse ich ihn alljährlich laufen, diesmal mit einer kleinen Anekdote geschmückt. Wenn Sie mögen, können Sie ihn & andere meiner Texte gerne auch auf http://kult.ch/author/weissberg/ lesen, wo ich seit einigen Monaten regelmässig kolumniere.

Es ist wie alle Jahre wieder Weihnachtszeit. Und jedesmal bin ich verblüfft, dass meine christlichen Bekannten in einen Adventstaumel fallen, der sie nicht etwa erfreut, sondern völlig fertig macht. Ich selbst muss in der schönsten Zeit des Jahres nicht total hysterisch werden, ich feiere in aller Ruhe das achttägige, jüdische Lichterfest Chanukka. Das ist zeitlich mobil, doch meist fällt es ein, zwei Wochen vor die Weihnachtszeit. Chanukka ist ein schönes, aber kein Ehrfurcht einflössendes Fest wie etwa der Versöhnungsfeiertag Yom Kippur, an dem sogar sogenannte Dreitage-Juden/Jüdinnen in die Synagoge gehen. Dreitage-Jüdin? Man hält gerade noch die drei höchsten Feiertagen und hat vom Rest mehr oder weniger Ahnung. Ausser von gutem Essen. So wie ich.

Trotzdem, ein wenig Wissen muss hier sein, ich bin schliesslich Historikerin: Chanukka, das Lichterfest, hat folgenden Hintergrund. 165 v. Chr (also vor eurem Chef) lehnte sich ein gutaussehender Jude  a la Jake Gyllenhaal, namens Judas Makkabäus, zusammen mit seinen Brüdern erfolgreich gegen die damalige Herrschaft der Griechen auf. Das wenige, noch vorhandene geweihte Öl konnte den neu geweihten Tempel unmöglich länger als einen Tag lang erleuchten. Wunderbarerweise reichte das Ölbehälterchen jedoch acht Tage lang. Wer‘s glaubt wird selig oder feiert eben fröhlich Chanukka, zündet die Kerzen am Chanukka-Leuchter an – jeden Tag eine neue, bis der Leuchter komplett und hell die Kinderaugen erleuchtet – und verteilt Geschenke an die Mischpoche.

Auch meine Eltern rannten also im Dezember durch die Stadt, um für uns Kinder Stofftiere und Feuerwehrautos zu kaufen. Wir Kinder wurden derweil zur Heimarbeit zu Gunsten von Tanten und Onkels verdonnert. In grässlicher Erinnerung sind mir jene zig Kleiderbügel, die im Akkord in türkis Filzverkleidungen gehüllt und mit wunden Fingerbeeren zugestichelt werden mussten. Oder wir sollten sommers Schmetterlinge jagen, sie mit Äther umbringen, sie pressen und hübsch hinter Glasrähmchen legen. Jetzt wissen Sie, wer die Schmetterlinge ausgerottet hat.

Das Schönste an unserer Chanukka-Feier war jedoch immer das Essen, es duftete schon Tage zuvor durchs ganze Haus, knoblauchig nach der damit eingeriebenen Gans, süsslich nach Rotkraut und Apfelmus, zwieblig nach Zibbeles – gehackter Leber – die Hühnersuppendämpfe wabberten aus der Küche. Wir Kinder schlichen uns immer wieder in die Küche, um irgendwo unsere Finger hineinzubohren oder gleich einen ganzen Mazzeknödel zu mopsen und wurden dann schimpfend verjagt.

Am Chanukka-Abend sangen wir vielstimmig falsch das Chanukka-Lied. Die erste Strophe ging einigermassen, weil meine Eltern zerfledderte Kopien des Textes verteilten. Die zweite solala, die dritte konnte nur noch Tante Gustl auswendig. Dann war niemand mehr zu halten, denn nun wurde gegessen, Höhepunkt war jedes Jahr unsere Lieblingstante Gustl, die jauchzend das fettige Gänsehinterteil verspeiste, während wir ihr ehrfürchtig zusahen. Einmal entflammte der Flambiertisch, auf dem mein Vater jedes Jahr eine Kupferpfanne mit Bananen und Dosenananas mit viel zu viel Schnaps in Brand setzte. Wir trugen die lodernde Bescherung in den Garten. Und waren stolz auf das Malheur, denn es war genauso eindrücklich wie ein lichterloh brennender Weihnachtsbaum. Leider reichte es nicht zum Rufen der Feierwehr.

Doch wenn die Kindertage vorbei sind, der eigene Nachwuchs flügge geworden ist, wird man Chanukka etwas wehmütig ad acta legen. Und schielt zunehmend neidisch auf Weihnachten, überlegt, wie man sich da auch als Ungläubige diskret einklinken könnte. Immerhin hatte man ja reichlich Zeit, zu beobachten, wie sich „die Anderen“ durch ihre schönste Zeit des Jahres managen. Die zieht sich seit einigen Jahren gummiartig bereits in die warme Jahrezeit hinein. Dieses Jahr konnte ich einen Rekord notieren: Ein Discounter bot schon Ende August Weihnachtsschmuck und Lebkuchen an. Ist das nicht auch ziemlich meschugge?

Dann die Präsente! Wer zu Weihnachten was wem schenkt, ist offenbar eine elementare Frage. Etwa in der Familie meines Goj-Friends, den ich nicht zuletzt verliess, weil die Weihnachtsfeste so steif abliefen, die Kinder statt Büchern Barbies bekamen und das Essen schlecht war. Sowas gilt unter uns als Todsünde. Einmal legte der Bruder meines alsbald Ex-Goj-Friends eine Kunststoff-Handgranate unter den Weihnachtsbaum, darin ein Herrenduft. Ich war fassungslos. Ist Weihnachten nicht das Fest des Friedens? Solche Geschmacksverstauchung kann eine interreligiöse Beziehungen sehr schnell zerstören.

Überlebenswichtig ist offenbar auch, wer an Weihnachten wohin eingeladen wird und wer nicht. Nun schreibt man depressive Tendenzen ja stets unseren Leuten, zu. Das ist richtig, doch an Weihnachten sind die „Anderen“ diesbezüglich nicht zu toppen. Sie sind deprimiert, wenn sie wo eingeladen werden, weil sie nicht dorthin gehen wollen, und wenn sie nicht eingeladen werden, leiden sie noch viel mehr und geniessen das nicht einmal. Sie fürchten sich vor Familienkrächen am Heiligen Abend. Aber drum lieber fröhlich alleine zu sein, gilt als Katastrophe. (Noch eine aktuelle Anekdote zu dieser Saison. Bei einer Mealsharing-Plattform bot eine gewisse Gilli ihren Weihnachtschmaus an, juhu, dachte ich, ich meldete mich also fix an, erhielt aber den zackigen Bescheid, dass nur noch „Singlemänner“ erwünscht seien. Die Trulla hat ihr Ihr-Kinderlein-kommet-Angebot wohl zielgerichtet als Dating-Buffet für eigene Zwecke eingesetzt. Asonei.)

Solch langweiligen Devisen gibt es bei uns nicht. Man ist ja gerne auch mal solo, weil die Mischpoche, die immer und in alles dreinredet, eine nervige Angelegenheit ist. Und an jüdischen Festen gilt Streit und Geschrei und Tränen als normal, vor allem bezüglich des Essen: Ist es gut, ist es besser als letztes Jahr? Warum ist die Gans so zäh? Man droht den Metzger zu ermorden. Wieso machte die Mamme die Mazzeknödel so hart wie Golfbälle? Mutter heult, Vater droht, die Kinder kreischen, die ledigen Tanten nörgeln, Kuppelversuche, den hochbegabten, seltsamerweise noch ledigen Neffen an die extra dafür eingeladene hübsche Schickse zu bringen, schlagen peinlich ins Leere, aber all das ist normal, niemand MUSS ja andere lieben.

Natürlich werde ich auch dieses Jahr von den „Anderen“ dauernd mitfühlend gefragt werden, was ich denn an Weihnachten so mache? Früher ging das bei meinen Schulfreundinnen so. Die: „Was machst du an Weihnachten?“ Ich: „Wir wir feiern Chanukka.“ Sie: „Ja schon, aber was macht ihr also an Weihnachten?“ Ich gab klein bei und spielte in den Krippenspielen stolz den Engel im weissen, gestärkten Nachthemd und mit Watteflügeln, durfte genau wie meine Freundinnen falsch blockflöten, also war ich irgendwie auch dabei. Oder doch nicht? Denn beim Hauptpersonal an der Krippe durfte ich nie mitmischen. Fies. Langfädige Erklärungen, wieso ich nicht mit von der Partie sein werde, erspare ich mir also heute lieber, obwohl wir in einer Multikulti-Gesellschaft leben. Geht es um Weihnachten, wird der Blickwinkel nämlich wieder eng. Grund: Die Menschen haben einfach keine Zeit über etwas anderes als DAS Fest nachzudenken. Und soll  ich etwa sagen: Tut mir nicht leid, euer meschuggenes Fest geht mich nichts an?  In Amerika, in denen sich die Ethnien längst gemixt haben, grübelt man längst nicht mehr, man feiert ungeniert „Chrismukka“. Finde ich ganz toll. So haben ja alle etwas: Tanne und Leuchter. Doppelte Geschenkeberge. Dramatik und Depressionen. Gans und Turkey.

Drum auch hier, für Sie alle: Fröhliches Weihnukka!

www.marianneweissberg.ch

Illu: Ilka Riedler Zimmermann, Hannover – eine Coverstudie für meinen ersten Roman bei EditionVOLLREIF: „Lili und der Schmock!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kritteln oder nicht kritteln, das ist die Frage!?

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Aktuell tobt ja hier in der Schweiz die No-Billag-Debatte. Und ich wundere mich längst, wieso es keinen Gegenvorschlag gibt. Also wie man diese Art und Weise, die Gebühren einzutreiben, ändern könnte. Ich bezahle ja die Gebühren in Raten, denn eine Jahres-Rechnung von fast 500 Franken ins monatliche Budget zu pressen, tut (mir) weh. Anderen auch, ich habe nachgefragt. Ich muss deshalb einen Raten-Zuschlag akzeptieren. Der ist nicht schaurig hoch, aber vorhanden. Die Rechnung hat in etwa den Charme eines Berichts vom Steueramt. Kein: Es freut uns, dass Sie unser Angebot nutzen wollen, kein: Dankeschön, dass sie pünktlich bezahlen. Es heisst: Abbdrücken, sonst kommen wir vorbei und nehmen Ihren Fernseh und das popelige Radio, das auf Ihrem Küchentresen steht und mit Saucenflecken bekleckert, ist weg!

Moment, ich wollte ja weniger generell bekritteln. Das war eigentlich mein heutiges Thema, wo war ich? Genau bei No-Billag und meinen ganz persönlichen, nicht ganz negativen Gegenvorschlag: Ich bin nicht per se gegen Gebühren, aber ich will schlicht weniger bezahlen. Ich subtrahiere einen zünftigen Betrag für all diese SRF bi dää Lüüt-Sendungen in meinem Fernseher. Sie verstopfen diesen Sender, und nein, ich möchte auch keine Austauschprogramme für Schwinger nach Japan ansehen oder Kochsendungen, in denen holde Maiden in Trachten in Hinterfurzikon sich gegenseitig bekochen und sich dann Noten dafür geben. Und wenn ich grad dabei bin, ich bin auch kein Fussball/Skirennen/Tennisfan. Sogar die Sternstunden-Sendungen kann ich mir nicht mehr antun, seit da Moderations-Greenhorns vor durchaus interessanten Gästen dilettieren. Oder jene Dok-Sendungen, die nach dem Prinzip produziert werden: Ou, wir haben noch jede Menge im Gebührentopf, machen wir doch eine Dokumentation über schneeweisse, prämierte Chüngel in Bümplizer Pünten oder über frischgebackene Renten-Ehepaare, die schampar froh sind, dass sie nun statt zu schaffen nur noch Himbeeressig aus dem eigenen Gärtli herstellen oder Enkeli hüten dürfen. Ich dachte, äh, hat man beim Schweizer Fernseh noch nie über das echte, urbane Leben geforscht? Über Sendungen, in denen um die Wette gesungen wird, kann ich nichts sagen, noch nie gesehen. Da muss ich also auch etwas abziehen. Und jetzt auch für den gerade laufenden Beitrag im Radio, der vor kaum einer halben Stunden wörtlich schon mal gesendet wurde.

Aber es ist ein wenig unfair, wenn ich überhaupt mitrede, denn ich bin bei allen (Nachrichten)Sendungen längst abwesend, bzw. ins Ausland desertiert, zu BBC, CNN, Arte, ARD, ZDF. Es könnte natürlich sein, dass die Schweiz dort irgendwie mitfinanziert, also wäre ich bereit, einen dementsprechenden Gebührenbetrag dafür zu bezahlen.

Wenn ich jetzt so zusammenrechne, was übrig bleibt, tja, da bleibt wenig an Goodwill, den ich in Form von Gebühren bezahlen will: sagen wir mal 20 Franken pro Monat wäre okay. Einfach, damit ich sicher sein kann, dass dann bei einem Notfall die Bevölkerungs-Infos auch zu mir durchdringen. Wobei, da bin ich mir nicht so sicher, wenn man so die Pannenhäufigkeit bei unseren öffentlichen Sendeanstalten bedenkt. Wenn was passiert, sie pennt meist noch…

http://www.marianneweissberg.ch – (gebührenfrei)

Ye Ye & Bye Bye Johnny!

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Als ich vorhin noch ganz verschlafen meinen Morgentee aufgoss, kam wieder eine dieser Meldungen im Radio, die meist so beginnen: Er war ein grosser…. Verlust….. Dann höre ich genauer hin, weiss, dass womöglich jemand gestorben ist, den ich vermissen werde. So wie Johnny Halliday. Er war schon immer da, dieses Ye-Ye-Monster aus Frankreich. Alles war übertrieben bei ihm: die Lautstärke, das Tremolo, die Schminke, seine Lederklamotten, seine Motorräder, seine Liebeleien und Ehen. Nichts war bescheiden, alles war vulgär. Und genial. Trotzdem wusste und weiss ich nicht, ob ich ihn nun verehrte oder verachtete.  Oder beides? Aber er war DAS Urgestein des französischen Rocks. Und dieser tröstete mich durch eine Teenagerzeit, die nur wegen seiner und anderer Klänge nicht komplett dröge war. Der folgende aus aktuellem traurigem Anlass leicht überarbeitete Text ist meiner Kolumnensammlung „Tränen ins Tiramisu“ entnommen, ich finde er ehrt so auch Johnny:

Dear Jane (und Johnny) je vous aime!

Es begann ganz nebenbei, ich las die Konzerthinweise und entdeckte: Jane Birkin singt Gainsbourg „Via Japan“. Das blieb hocken im Hirnstübli, weil ich grad die YeYe-Musique der Sechziger wiederentdeckte. In Frankreich war damals die Musikszene aufregend, die Sänger und Sängerinnen waren chic et sharp: Johnny Hallyday, Silvie Vartan, France Gall, Francoise Hardy, Jacques Dutronc.  Sie sangen Duette, hatten stürmische Affären miteinander. Wir hörten die Salut-Les-Copains Hitparade. Hier bei uns dudelten höchstens die Sauterelles vor sich hin.

Und dann kamen sie: Serge et Jane und stöhnten uns noch total Unbeleckte vom Hocker oder eher, wenn wir Glück hatten, aus den kochechten Höschen. „Je t’aime moi non plus“, anno 1969. Jane, die kleine, süsse Schickse und Serge, der hässliche, sexy Jude. Prinzipiell kann man diese Stöhnarie nur anhören, wenn man aktuell guten Sex hat, sonst bricht man in Tränen aus und weint Verlorenem nach. Meiner Meinung nach, der erotischste Song aller Zeiten. Und drum wurde er damals auch erst mal verboten, natürlich auch vom Vatikan.

Ich schweife ab, aber das macht die schöne, mittlerweile vollreife Jane halt so mit mir. Ich sagte also zu einer Freundin: Ich gehe zu Jane Birkin. Sie sagte: Die ist doch jetzt alt wie wir, das tue ich mir nicht an. Ich sagte: Spinnst du, wieso glaubst du, dass wir Vollreifen nicht mehr schön und sinnlich sind? Glaubst du das, was man so glauben soll?  Schau dir Madonna, Meryl Streep, Susan Sarandon und eben Jane an. SO sind wir und sehen wir aus und deswegen hecheln uns Männer jeden Alters hinterher, du musst das nur sehen wollen!

Sie zögerte, gab eine Bestellung beim hübschen, sehr jungen Kellner auf, der tatsächlich Johnny glich, sie heftigst beflirtete. Hast du gesehen?, der steht auf dich, nimm ihn dir doch!, sagte ich. Sie war etwas verwirrt, schlürfte nachdenklich ihren Kaffee. Und ich bin wieder etwas abgelenkt, hier beim Schreiben, weil ich jetzt gerade Jane auf CD (Rendez-Vous) lausche, auf der sie mit Brian Ferry und Anderen singt, die sie hörbar dabei beflirten und vergöttern. Pour un flirt avec toi, Jane & Johnny, würden diese Jungs und Mädchen alles machen! So muss es sein. Und ich bin dabei, Jane, parce que j’taime – seit über dreissig Jahren. (und natürlich RIP Johnny!)

www.vollreif.ch – hier finden Sie zu den literarischen „Tränen ins Tiramisu“

 

 

Es gibt kein anderes, „besseres“ Leben?!

Knospe

Ich folge seit längerer Zeit dem Blog The Happy Hausfrau. Dahinter steckt eine sehr talentierte Jenny aus Minnesota. Geschiedene Mom von vier Kindern, die seit dem Start ihres Divorced-Mom-Blogs, anno 2010, gewachsen/erwachsen wurden, gemeinsam mit Jenny den Abgang von Ehemann und Dad verkraften, beziehungsweise überleben mussten. Dad liess sich nämlich mit seiner Sekretärin ein, zog Hals über Kopf aus und liess Jenny mit keinem Einkommen und Bergen von Problemen zurück. Mittlerweile hat Ex-Dad neue Kids gezeugt, wohnt in einem grossen Haus und betreibt seine Ex-Familie nur noch als eher lästiges Hobby. In vielem konnte ich mich wiedererkennen. Was mir an diesem Blog gefiel, aussser der ganz tollen Schreibe, war das Aufgreifen von Tabus: Armut inmitten von Wohlstand, Seelenschmetter, während rundherum so getan wird, als ob das Leben nonstop superhappy sein soll, wer das nicht kann, ist eben eine Niete. Sie schrieb über kleine Episoden, wie sie sich heruntergesetzt fühlte, durch taxierende Blicken von Nicht-Divorced-Moms, wie sie heulend auf offener Strasse im Auto sass, nachdem sie ihren Ex mit seiner neuen Familie gesehen hatte. Am liebsten las ich jedoch ihre Stories, die sich um Walter, den gelben Labrador aus dem Tierheim geholt, drehten. Wie er schnarchend auf dem Sofa liegt, oder sie anbetend ansieht. Und diese kleinen Augenblicke ihr Trost spenden. Kurz, ich liebe Jennys Blog. Wenn sie noch schreibt, denn genau wie ich, wird sie vom echten Leben eingeholt. Und dann hat man keine Lust, keine Energie oder irgendein sonstiges Problem, dass sie und mich vom Schreiben abhält.

Deshalb beschloss Jenny, wie sie mitteilte, sich der novemberlichen Blog-Challenge, die scheints in den USA stattfindet, also pro Tag ein Post zu bloggen, zu stellen. Ich freute mich. Es kamen wirklich einige Beiträge, doch danach Stille. Schade, dachte ich. Vielleicht wäre ich durch sie, die ferne und mir doch längst gut bekannte Bloggerin inspiriert worden, auch mehr zu bloggen, huch sogar täglich… Jedenfalls merkte ich, dass diese Challenge nicht so ganz klappte, stattdessen las ich kürzlich ihre Thanksgiving-Story auf ihrer Facebook-Seite. Es ging um das tiefe Bedauern, dass ihr alter Ego, jene einst happily married Jenny, es nicht geschafft hatte, jenes intakte und mit Wohlstand berieselte Leben zu halten. Was hatte sie falsch gemacht?, was hätte sie tun können, um jene andere Frau zu bleiben? Wäre das nicht schöner, besser, gesünder gewesen für sie und die Kinder? Da knackste etwas in mir, und ich dachte: Womöglich sollte sie endlich über andere Themen bloggen als über ihre Scheidung. Und womöglich gab es gar nie eine andere Jenny. Und das schrieb ich dann in einem Kommentar. Sie antwortete sehr herzlich, schrieb, sie wisse, was ich meine, aber sie sähe es als Aufgabe, weiterhin mit Scheidungs-Erinnerungen andere Divorced Moms zu trösten.

Das mag sein. Trotzdem hoffe ich, dass ihr Schreibtalent sich getraut, auch neue Kontinente zu beschreiben. Ich persönlich glaube, dass das Festhalten an „was wäre gewesen, wenn….“-Szenarien, plus „Es war/ist alles seeehr schrecklich“ ein bisschen destruktiv sein kann. Es zementiert die Vermutung, dass man bloss Second Best ist. Und man sucht nach Beweisen, dass dies die Wahrheit ist. Beweis: Gestern googelte ich einen alten Schwarm, der mich zweimal stehen liess, um etwas Besseres zu kriegen. Als ich die detaillierten News um seine werte Person las, stiegen gleich Szenarien von Romantik, Reichtum, Ruhm auf. Wieso die – und nicht ich? Und dann dachte ich, bist du eigentlich meschugge, da wieder rumzugoogeln? Du hast kein Leben in einem Parallelunivesum, das dir demonstrieren könnte, wie jene bessere Marianne es romantischer, reicher, ruhmvoller hätte managen können, um dann unglaublich glücklich, etc. blablabla zu werden. Du lebst das Leben hier und jetzt, und in dem machst du vieles sehr gut, einiges ist eben ganz normal trübe. Einiges kannst du ändern, manches nicht. Oder doch?

Zum Beispiel, das mit meinem Drucker, der gestern tonermässig schlapp machte, obwohl er einige Seiten des Romanmanuskriptes, an dem ich arbeite, noch nicht ausgedruckt hatte. Ich ärgerte mich, dann noch mehr, als ich merkte, dass ich dreissig Seiten doppelt ausgedruckt hatte. So ein Schmarren, dachte ich, wieso bist du zu blöd, zu checken, was schon gedruckt ist, was nicht. Jetzt musst du Toner zu deinem alten Drucker bestellen, aber du hast vergessen, wo es den gibt. Tja, dann kannst du eben vorläufig (äh lange) nicht mehr weiterschreiben… Und ich versank in Trübsal: Wäre ich klüger, erfinderischer, nicht so ein Phlegma, wäre so ein Tonerproblem eben gar keins. Dann erinnerte ich mich an meine drei Romanheldinnen – Doro, Lotti und Winnie – was denen so alles passiert, und was ich noch ausdenken könnte, und ich bedauerte, sie auf der Bühne untätig stehen zu lassen. Also googelte ich wieder ein wenig und stiess problemlos auf eine Toner-Bestellmöglichkeit, bestellte genauso problemlos, was sogar Spass machte und fühlte mich sehr effizient und fröhlich. Womöglich auch dank der mürben Marmormuffins, die ich so ganz nebenbei gebacken hatte.

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Das meine ich mit dem anderen, besseren Leben, das gar nicht existiert hat, nie stattfinden wird. Wir leben das Leben, das uns auf den Leib geschneidert ist. Oft zähneknirschend. Und in diesem echten Leben könnten wir, ich, für einiges dankbar sein, auch wenn es kleine Dinge sind. So wie das erfolgreiche Bestellen des Toners, was mich dann zum Weiterschreiben animiert, was andere beim Lesen erfreut, usw. Und damit gebe ich ab zu Jenny. Ich will wissen, was Walter so macht, ihr und meine Exe sind daneben bloss Second Hand!

http://www.marianneweissberg.ch

Fotos: Mein Feigenbaum, den ich aus einer Gärtnerei vor vielen Jahren evakuierte, wo er vor sich hin vertrocknete, hat hier beileibe keinen reichen Boden, doch jeden Herbst, wenn er seine Blätter verloren hat, erstaunt er mich durch sein beinahe schon trotziges Knospen in Hinsicht auf den noch fernen Frühling. Das nenne ich Resilience! / und natürlich meine Zaubermuffins, mmhhh.

Ich glaube, ich spinne oder: Selbstgespräche mit meinen Spinnen!

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Ich wollte eigentlich über gaanz wichtige Themen schreiben, also, dass alles so schrecklich ist, in der Welt, auf der Welt. Und gottbewahre, dass die Menscheit wirklich das Universum besiedelt, denn sowas hat das Universum grad noch gebraucht, dass wir dort auch noch alles verwüsten. Aber eben, darüber zu grübeln, zu schreiben, macht heute nicht fröhlicher. Also griff ich zum Beseli und Schüfeli, um ein bisschen zu wischen. Meine Wohnung ist klein, bis ich den Staubsauger aus der Besenkammer befreit, das Kabel entrollt, ihn um die Ecken bugsiert habe, ist mein Beseli bereits problemlos im Einsatz. Zum Beispiel im Badzimmer, keine Ahnung, woher die weissen Flusen stammen, die sich dort regelmässig in den Fugen und Ecken ablagern.

Ich wischte sie also zusammen, nur in der Ecke neben dem Klo hielt ich mich zurück, denn wohnt seit längerem Spinne 1. Nachdenklich, wie jedesmal, betrachtete ich sie, wie sie dort knapp über dem Boden hockte, mich trotzig ansah. „Neinei, ich pass schon auf“, sagte ich zu ihr und wischte sorgfältig um das Netzchen herum. „Das ist ja auch nicht so toll, wenn man neben dem Klobeseli wohnen muss, gäll? Aber bitte, mach ein bisschen weniger Chaos hier!“ Ich weiss nicht mehr, ob ich das nur dachte oder zu ihr laut sagte. Das verwischt sich manchmal, so wie ich manchmal nicht mehr weiss, ob ich dieses oder jenes hier schon mal gebloggt habe. Ist ja auch egal, nicht egal ist, dass ich die Herdplatte manchmal brennen lasse, für mich ist das ein Zeichen, dass ich jetzt richtig alt werde. Wobei meine Nachbarin von visavis erzählte kürzlich, dass sie immer einen Wecker stellt, wenn sie Teigwaren kocht, da sie regelmässig vergisst, dass sie am Kochen ist. Und sie ist erst 40+, da war ich mächtig erleichtert.

Wo war ich? Genau, bei meinen Spinnen. Früher hatte ich eine Spinnenphobie. Die Vorstellung, dass so ein langbeiniger Zimmermann in Spinnenform nachts über mein Gesicht eilt, war ein Horror meiner Kindertage. Später geisterten dann die urban myths von grässlich haarigen Spinnen herum, die in Bananenschachteln die Welt bereisten und sich auch bei dir und mir niederlassen wollten. Vorbei, längst bin ich mit den Spinnen in meiner Wohnung befreundet. Es gibt die Spinne 2, in der Ecke neben meinem Bett, sie ist passend sehr grazil und ernährt sich wohl von Matratzenmilben. Ich muss sie mal fragen, ob das stimmt. Oder ob sie so grazil ist, weil sie permenant auf Diät ist? Dann Spinne 3 neben dem Sofa. Sie ist klein und dick für den Fang von Kellerasseln zuständig, die sich sommers hinein verirren. Sie sitzen normalerweise unter einem Gartentopf und stieben in alle Richtungen, wenn man den Topf verschiebt. Igitt. Hie und da rettet sich dann eine, vermeintlich, in meine Wohnung. Doch o weh, Spinne 3 liegt auf der Lauer. Ich habe ihr schon mal gratuliert zu einem besonders fetten Fang.

Spinne 4, die hinter dem Vorhang bei meinem Schreibtisch wohnte, war allerdings ein echter Messi. Noch nicht fertig mit einem Käfer, musste sie schon wieder auf die Jagd gehen und permanent das Netz vergrössern. Als sie dann unter ihrem Appartment ein ziemlich grusiges Leichenfeld anhäufte, hatte ich genug. Nach einer kurzen Entschuldigung wischte ich das Netz mitsamt Sauerei weg. Sie flüchtete, hinkte einen Tag später theatralisch übers Parkett, stellte sich tot, als ich sie aufhob – und einige Tage später war sie wirklich mause- oder eher spinnentot. Ich liess sie als warnendes Beispiel für die anderen Spinnen ein Weilchen liegen, dann fand ichs doch pietätlos und spickte sie in den Garten. Jetzt warte ich auf ihre Nachfolgerin, die ordentlicher ist und auf Silberfischli spezialisiert ist, die hie und da auftauchen. Erst hasste ich diese Viecher, dann erfuhr, dass sie Nützlinge sind. Die wiederum andere Kleinviecher vertilgen. Was ich an ihnen nicht mag, ist ihre Verschlagenheit, kaum hat man sie ins Licht gebracht, was sie hassen, schauen sie quasi über die Schulter und rasen fix ins Dunkle. Ich könnte wetten, dass sie einen Radar haben für die tödliche Gefahr, die von uns Menschen ausgeht. Sehr weise.

Doch bei meinen vielbeinigen Mitbewohnern sind sie irgendwann einmal unvorsichtig? Und das wird ein Jubeltag sein, für meine Hausspinnen – und für mich!

www.vollreif.ch bietet Literatur by Marianne Weissberg, ganz ohne Spinnen…

Verwelkte Liebe oder: Fiese Fortsetzung folgt…?

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Heute geht’s um zwei Männer aus meiner Vergangenheit, beide waren für mein Leben von Bedeutung. In den einen war ich als 17jährige wahnsinnig verschossen. Mit dem anderen war ich, circa ein Jahrzehnt später, zwei Jahre zusammen. Beide tauchten danach wieder in meinem Leben auf. Der erste nach sehr langer Zeit, der zweite hie und da. Dann, kürzlich, erfuhr ich ein paar aktuelle Fakten, also was die beiden aktuell grad so trieben, und ich dachte: Da kann ich froh sein, dass ich es nicht bin, die erhört wurde! Nachdem ich, ich gebs zu, länger gehadert hatte: Wieso nicht ich Nummer eins bei denen war?!

Der Schwarm meiner ahnungslosen 17 Jahre hatte mir damals mitgeteilt, dass er sich zu Höherem berufen fühle. Er müsse umgehend studieren, so habe es sein Vater bestimmt. Und deshalb hätte er keine Zeit für so ein braunäugiges, ahnungsloses Mädchen, wie ich es war. Und weg war er. Viel später fand ich heraus, dass er in der selben Stadt, wo ich wohnte, studierte. Wir hätten uns durchaus wiedersehen können. Vielleicht war er nicht so verliebt wie ich, ich vermute eher, dass er sich nicht getraut hatte, seinen eigenen Weg zu gehen. Er stand im Schatten seines Vaters, der gesellschaftlich nicht anerkannt war, der einen schlechten Ruf hatte als Profiteur. Deshalb setzte mein Jugendschwarm sein weiteres Leben ein, um sich selber aufzuwerten. Er wollte mit berühmten Namen gesehen werden, mit ihnen liiert sein. Auf seinem Weg nach Prominenz pflügte er sich wie ein menschliches Unheil durch zahlreiche Frauenleben, zeugte dabei meist versehentlich Kinder. Nach aussen hin war er schliesslich etabliert, es hatte sich ausgezahlt mit den „richtigen“ Leuten verkehrt zu haben. Als ich ihn neulich googelte, war er schliesslich in der Klatschspalte der „Gala“ gelandet. Er hatte als alter Mann wieder geheiratet. Die Umstände liessen mich (wohlig) erschauern. Er hatte sich in eine langjährige Ehe gedrängt, so einen nennt im Englischen marriage wrecker. Bestimmt hatte ihn die Geldadel-Prominenz ihres Mannes gereizt, die würde ja nun auf ihn abfärben, wenn er dessen Frau kaperte. An den Orten, wo die Reichen und Dummen gerne verkehrten, wäre er jetzt definitiv angekommen. Man hatte sich übrigens bei einem Essen im  Haus des alsbald gehörnten Ehemannes kennengelernt. Ehrlich, hat der Mann null Schamgefühl, dachte ich? Und, so dachte ich weiter, wenn der dich damals „erhört“ hätte, wärst du eine seiner Betrogenen gewesen, die auf seinem jämmerlichen Weg nach mehr Ruhm und sicher auch mehr Reichtum gezielt entsorgt wurden.

Der Zweite, mit dem ich nach meiner Scheidung für zwei Jahre durchaus glücklich liiert war, ähnelt dem Ersten in seiner Überzeugung, dass man sich das, was man nicht selber kann oder hat, eben bei Anderen holt. Was beide auszeichnete, war der Charme, den sie einsetzen konnten. Es war ein jungenhafter Charme, der sie unschuldig, ja verletzlich wirken liess, wahrscheinlich merkte nicht nur ich zu spät, was dahintersteckte: Berechnung. Neulich hörte ich, dass der Zweite, der seine Ehefrau betrogen hatte, die Scheidung mit völlig überrissenen Forderungen torpedierte. Es machte ihm gar keine Freude, das gut gepolsterte Nest, das sie ihm jahrelang ermöglicht hatte, verlassen zu müssen. Er will natürlich möglichst viel davon mitnehmen. Als ich davon erfuhr, war ich schockiert, dann dachte ich wieder: Da hast du Glück gehabt, dass er damals nicht bereit gewesen war, sich mit dir zufrieden zu geben. Noch mehr wollte. Jetzt hat ihn diejenige, die ihm das lange Jahre ermöglichte, am Hals. Die womöglich immer noch hofft, dass er zurückkommt. Müsste ich nicht haben, schon gar nicht im vollreifen Alter.

Eigentlich haben beide „Liebesgeschichten“ eine Gemeinsamkeit. Da konnte ein Mensch andere Menschen ausnutzen und ausgelaugt zurücklassen, aber aus Scham oder Feigheit haben sich die wenigsten gewehrt. So frage ich mich, wie es kommt, dass solche Unheilsbringer immer wieder erhört werden? Sie profitieren natürlich auch davon, dass man selten öffentlich macht, dass man betrogen und ausgenutzt wurde. Aber auch, dass die Neuen es leider nicht sehen wollen, was der Shining Knight schon so alles kaputt gemacht hat. Sie nehmen den Betrüger, den marriage wrecker, den Profiteur mit Kusshand und setzen auf das Prinzip Hoffnung: Mit mir wird er/sie gaaanz anders sein! Da sage ich, gut möglich, aber was davor war, kann ja nicht einfach annulliert werden. Und ich möchte wetten, dass es sich wieder manifestieren wird. Ich bin bei den Beiden nun gespannt auf: Fiese Fortsetzung folgt…

http://www.vollreif.ch – mein klitzekleines Literaturlabel, in dem ich (auch) Bücher über genau solche Themen – die Liebe und das Leben – schreibe….

Die Zeit zurückdrehen: Oder zähneknirschend meditieren…?

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Heute wurde die Winterzeit eingeläutet. Das hiess für mich früher bloss Uhren zurückstellen. Und die Tage zählen, bis die Tage wieder länger werden. Erfahrungsgemäss so ab Anfang Januar. So ab circa 64 fing ich jedoch an, viel früher aufzuwachen. Es gab Morgen, da wachte ich schon gegen fünf auf, meist, wenn ich mich über etwas genervt hatte. Das kenne ich von früher, als ich mich in mühsame Jobs oder schwierige Projekte verstrickt hatte, dann so um drei oder vier Uhr aufschreckte. Das ist die Zeit, in der man hadert, sich vom Alltag, sei es privat oder beruflich, überrollt fühlt. Doch mein frühes Aufwachen ist nun altersbedingt. Glaube ich jedenfalls. Item. In den letzten Wochen hatte ich mich wieder gegen sechs Uhr herangeschlafen. Vergeblich, denn als ich gestern ins Bett ging, so gegen Mitternacht, wusste ich, dass ich heute auf der Backofenuhr die schreckliche fünf sehen würde. Blöde Winterzeit.

Mit mir nicht, ich blieb also liegen und begann zu meditieren. Auf dem Rücken, im Bett. So würde ich mich gegen halb sechs vorarbeiten, dachte ich, und das wäre dann eigentlich halb sieben. Und irgendwann würde mein Körper glauben, dass er ruhig noch ein paar Minuten länger schlafen könnte, bis ich mich wieder an die sechs, das dann nicht mehr fünf wäre, vorgeschlafen hätte. Theoretisch, obs in der Praxis klappt, keine Ahnung. Man wird ja nur einmal älter, kann das nicht vorüben.

Das mit der Meditation habe ich jedoch schon letzte Woche geübt. In einem Meditationskurs. Als ich eintrudelte, sassen schon alle totenstill da im Kreis. Dann sollte ich mich auf einen Meditationsschemel setzen, nicht mal so unbequem. Dann wurden wir angeleitet. Atmen, alles dem Nirwana übergeben, was an Gedanken so auftaucht. Sofort hatte ich tausend Gedanken und Ideen. Ich begann über die Thronfolge in der victorianischen Zeit nachzudenken, abstrus, so zählte ich die Astlöcher im Boden. Und dann machte ich ein paar Beckenbodenübungen, wieso nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? Bloss, was war das Angenehme hier? Als ich aufstand, waren meine Knöchel abgestorben, trotzdem, es war eine Erfahrung, die ich wiederholen wollte, am besten im Bett, siehe oben.

Apropos Beckenboden, den ich trainieren soll. Dazu gehe ich zu zwei Physiotherapeutinnen. Die eine Israelin, lustig und down to earth, die andere, eine riesige Holländerin, schwört auf Elektronik, die man sich reinstecken soll, und ein genaues Programm, das sie gewissenhaft abhäkelt. Wir sind ja im Spital. Letztes Mal, als ich so in einer unwürdigen Stellung Übungen machen sollte, sagte ich: Herrgott, das ist ja wie in Fifty Shades of Grey, genau so blöd. Garantiert hilft das nix. Sie lachte, oh Wunder, wahrscheinlich ahnt sie ja auch, dass der ganze Drill, der bei ihr eben nicht zum Lachen sein darf, Schrott ist. Apropos Spital-Drill, ich musste ein Knöllchen am Finger entfernen lassen. Erst wurde ich in ein Spital überwiesen, dort redeten gleich zwei blutjunge Docs auf mich ein, alles wohl sehr gefährlich, meinten sie. Ich ging verstört nach Hause, googelte Handchirurg, fand einen reiferen Doc, der mir sofort Vertrauen einflösste. Er würde mich in gemütlicher (wörtlich) Atmosphäre operieren, sagte er. Und so war es.

Ich glaube, dass das Alter nicht einfach ist, aber es wird einfacher im Alter. Sich nicht mehr ins Bockshorn jagen zu lassen, nicht mehr alles brav zu glauben. Ich habe gelernt, mich zu informieren, mich aufzulehnen. Ich hole mir quasi bei Unklarheiten oder einem „blöden Gefühl“ eine zweite Meinung ein, oft bei guten FreundInnen. Ach so, die hält das anders, finde ich schlau, denke ich. Und dann entscheide ich mich. Gestern mailte ich der einen Ärztin an der Schulthess-Klinik, dass ich sehr unzufrieden gewesen sei, eine Zweitmeinung geholt hätte, anderswo und dort bestens operiert worden sei. Sie schrieb, dass freue sie, kein Wort oder Frage dazu, was bei ihr falsch gelaufen sei, nein, sie wollte wissen, was jetzt die Diagnose gewesen sei. Wenn mir das keine Mühe mache. Doch, dachte ich, das Ganze in dieser Medizin-Fabrik, die so ungemütlich und menschenfeindlich agiert, hat mich viel Mühe gekostet. Und drum würde ich da auch keine Diagnose nachliefern, schrieb ich. Wieso auch, es geht ja nicht um Diagnosen, sondern um den respektvolleren Umgang mit Ratsuchenden. Danach hat sie nicht gefragt, die junge Ahnungslose. Leider.

Und so wird man im Alter wohl knorriger, widersprüchlicher, zickiger, man merkt, es geht um mich. Und darum, was man um sich haben möchte. Besser keine Ekel. Ja, ein solches bin ich vielleicht auch hie und da. Und andere Ältere um mich herum auch, mit manchen bin ich drum nachsichtig geworden. Die sind eben auch so wie ich. Lassen sich wenig/er gefallen.

So nun ist mittlerweile 7.51. Also eigentlich fast neun Uhr. Draussen bläst der erste Herbststurm, das liebe ich. Das Jahr ist alt geworden. Unbeeindruckt von allem, was wir Menschen auf diesem Planeten verbocken. Diese Gelassenheit möchte ich haben! Ob das Jahr wohl meditiert….?

www.marianneweissberg.ch

 

Rehrücken gegen Sex: #metoo?

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Immer wieder flammt die Empörung auf, es bekennen sich Tausende von Frauen zu ihren Erlebnissen mit Männern. Und dann ebbt alles wieder ab, alles geht so weiter wie zuvor. Oder bin ich da zu pessimistisch? Hölt steter Tropfen den Stein des ganz alltäglichen Sexismus? Vielleicht, hoffentlich!

Ich kann mir vorstellen, dass sich viele Frauen, so auch ich, sich an Momente erinnern, die vielleicht nicht mal so spektakulär, weil so „gewöhnlich“ sind. Zum Beispiel im Berufsleben. Der Vorgesetzte, der bei der Arbeitsbesprechung ganz nah heranrückt, einem den Rücken tätschelt. Täglich. Eklig. Und dann sind da die Momente, die einem eingebrannt im Gedächtnis bleiben. Etwa jener Auftraggeber in den Medien. Er hatte sehr gut bezahlte Aufträge zu vergeben. Und die sollte ich mir verdienen, schon vorher, jedenfalls in seinen Augen. Das beinhaltete jenes Nachtessen in einem teuren Landgasthof. Ich fand es irgendwie seltsam, doch was sollte mir dieser konservative Nerd mit dem Aktenköfferchen, das er stets wichtig bei sich trug, schon antun? Er fühlte sich wahrscheinlich einsam, wie ich von ihm bereits anhören musste, hatte in seine Ehefrau grad verlassen, weil er sie betrogen hatte. Oder er hatte sie verlassen, weil jene Andere schöner, besser, was auch immer war. Ich war nicht erpicht gewesen, mir seine privaten Details anzuhören. Doch ich konnte ihm ja schlecht über den Mund fahren und sagen: Ich möchte das nicht hören. Ich arbeite gut, sie bezahlen pünktlich. Mehr will ich nicht.

Jedenfalls sassen wir dann in diesem plüschigen Restaurant, er liess einen Rehrücken auffahren, Wein. Und irgendwann vor oder nach dem Dessert, das weiss ich nicht mehr, meinte er dann ganz nonchalant, ich solle mich gefälligst revanchieren. Womit?, fragte ich. Es sei doch normal, meinte er, dass wir anschliessend ein bisschen Geschlechtsverkehr hätten. Sowas gehöre doch dazu, wenn er mich so schön einlüde…. Ja, und wenn man weiterhin gut zusammenarbeiten wolle! Ich war perplex, der Auftraggeber hatte nun seine gängigen Arbeitsbedingungen, quasi das Kleingedruckte, laut vorgetragen. Ich ahnte, das ist der Anfang vom Ende: Wenn ich nicht Sex gegen weitere Aufträge liefere, läuft bald nichts mehr. Ich sagte, sowas ginge nie gut, man solle Privates nicht mit Geschäft mischen, also nein. Danach lief es nur noch harzig weiter. Er begann mich zu schikanieren, kippte Texte, und ich fand ihn generell so gruusig, dass ich irgendwann nicht mehr für ihn arbeiten wollte. Wobei eigentlich hatte er mich abgeschossen, weil er mich nicht schiessen konnte mit dem Rehrücken für zwei. Interessant ist, dass mir dieser „kleine“ Moment: Sex gegen Rehrücken, gleich eingefallen ist, als ich über die #metoo Kampagne las.

Und ich gebe zu, dass ich auch mal einem Kollegen Avancen machte, aber dass ich in der Position gewesen wäre, in der ein Machtgefälle bestand, also du kriegst meine Arbeitskraft, meine Freundschaft nur, wenn du Sex lieferst, daran kann ich mich nun wirklich nicht erinnern. In meinem Leben, sei es Studium, Beruf, Ehe war ich immer die Unterlegene. Mann beschloss und urteilte über mich. Es gipfelte vor längerer Zeit darin, dass nach einer Satire über sein angeblich bestes Stück eine Schlammschlacht gegen mich losgetreten wurde, an der Diskussion im hiesigen Fernsehen sassen sich die Medienmänner (Roger de Weck und Roger Schawinski) gegenüber und befanden, dass eine Frau doch unterirdisches Niveau zeige, wenn sie sich über sein Geschlecht (und damit seine Herrlichkeit) Gedanken mache. Ich war nicht eingeladen. Was mich damals und auch später zornig machte, waren Frauen, die aus Angst ihre kleinen Privilegien zu verlieren, sich solidarisch zeigten. Natürlich mit den Herren dort oben. Sie wurden dafür protegiert, ein wenig befördert, wurden geheiratet und versorgt. Ich könnte (bekannte) Namen von Frauen nennen, die sich dergestalt hinauf prostituiert haben. An solchen Steigbügelhalterinnen kommt eine Frau schlecht vorbei. Aber jene Frauen würden sowas von sich weisen, und ich kann es auch irgendwie verstehen. Verdrängung, Verinnerlichung der herrschenden Zustände.

Trotzdem, man muss nicht die mickrigen Zweiglein abknipsen wollen, sondern das Übel an der Wurzel kappen. Bis Männer ehrlich sagen: #metoo, will heissen, ich bin auch ein übler Macker, Dateraper, Sexist, Grabscher, Verbaltäter, was auch immer, sagen wir Frauen weiterhin #metoo und lassen uns nicht mundtot machen!

Foto: Auf dem Lebensweg nach nicht so ganz oben, geht manches vergessen, bis man unter dem Moos kratzt und sich erinnert….

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